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Diplomacy & Defense Think Tank News

Annual Report 2019/20: Building bridges between research and practice

The Annual Report 2019-2020 shows insights into our research, policy-advice and training, e.g. the institute's knowledge cooperation within the Managing Global Governance (MGG) Network, our analyses on the reform of the UN Development System, a new research network on global sustainable supply chains, current findings for Integrated Water Resources Management, and works on the conditions and levers for social cohesion.

Annual Report 2019/20: Building bridges between research and practice

The Annual Report 2019-2020 shows insights into our research, policy-advice and training, e.g. the institute's knowledge cooperation within the Managing Global Governance (MGG) Network, our analyses on the reform of the UN Development System, a new research network on global sustainable supply chains, current findings for Integrated Water Resources Management, and works on the conditions and levers for social cohesion.

Annual Report 2019/20: Building bridges between research and practice

The Annual Report 2019-2020 shows insights into our research, policy-advice and training, e.g. the institute's knowledge cooperation within the Managing Global Governance (MGG) Network, our analyses on the reform of the UN Development System, a new research network on global sustainable supply chains, current findings for Integrated Water Resources Management, and works on the conditions and levers for social cohesion.

Considering the Protection of Civilians during UN Peacekeeping Transitions

European Peace Institute / News - Mon, 01/25/2021 - 17:27

In contrast to recent transitions, the next wave of UN peacekeeping transitions is set to occur in contexts where civilians continue to face threats of physical violence. These transitions are likely to have major implications for the protection of civilians (POC), which should be a key consideration for the UN when planning these missions’ exit strategies. As part of the transition process, the UN needs to shift its strategic and operational approach to POC.

This issue brief outlines how the strategic goals of POC will change during a transition and how the operational approach to POC across the UN system will need to be adapted. It examines the shift from mission-driven POC strategies to nationally led POC plans to ensure the sustainability of POC gains and mitigate the risk of violence following a mission’s departure. It also explores the need for a UN system-wide approach to POC—one that involves all relevant UN entities—to reconfigure and manage this aspect of the UN’s engagement in crisis settings and the transition from peacekeeping to peacebuilding.

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Jahresbericht 2019/20: Brücken bauen zwischen Theorie und Praxis

Der Jahresbericht 2019/20 gibt ausgewählte Einblicke in unsere Forschung, Beratung und Ausbildung, z.B. die Wissenskooperationen des Instituts, u.a. im Managing Global Governance (MGG) Network, unsere Analysen zur Reform des UN-Entwicklungssystems, ein neues Forschungsnetzwerk zur Gestaltung globaler nachhaltiger Lieferketten, aktuelle Erkenntnisse für das Integrierte Wasserressourcen-Management sowie Arbeiten zu den Bedingungen und Stellschrauben für gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Jahresbericht 2019/20: Brücken bauen zwischen Theorie und Praxis

Der Jahresbericht 2019/20 gibt ausgewählte Einblicke in unsere Forschung, Beratung und Ausbildung, z.B. die Wissenskooperationen des Instituts, u.a. im Managing Global Governance (MGG) Network, unsere Analysen zur Reform des UN-Entwicklungssystems, ein neues Forschungsnetzwerk zur Gestaltung globaler nachhaltiger Lieferketten, aktuelle Erkenntnisse für das Integrierte Wasserressourcen-Management sowie Arbeiten zu den Bedingungen und Stellschrauben für gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Jahresbericht 2019/20: Brücken bauen zwischen Theorie und Praxis

Der Jahresbericht 2019/20 gibt ausgewählte Einblicke in unsere Forschung, Beratung und Ausbildung, z.B. die Wissenskooperationen des Instituts, u.a. im Managing Global Governance (MGG) Network, unsere Analysen zur Reform des UN-Entwicklungssystems, ein neues Forschungsnetzwerk zur Gestaltung globaler nachhaltiger Lieferketten, aktuelle Erkenntnisse für das Integrierte Wasserressourcen-Management sowie Arbeiten zu den Bedingungen und Stellschrauben für gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Ist der „unsoziale“ Gesellschaftsvertrag im Nahen Osten Vergangenheit?

Vor einem Jahrzehnt erklang auf den Straßen von Tunesien, Ägypten, Libyen, Jemen, Syrien und Bahrain der Ruf der Jugend nach Leben, Freiheit, Würde und sozialer Gerechtigkeit. Die jungen Menschen sehnten sich nach Chancen auf menschenwürdige Arbeit und gingen auf die Straße, um gegen die bestehenden „unsozialen“ Gesellschaftsverträge zu protestieren. Diese gewährleisteten nicht mehr Arbeitsplätze, kostenlose Bildung und Gesundheitsversorgung wie die populistisch-autoritären Gesellschaftsverträge, die noch bis in die 1970er Jahre bestanden hatten. Immer breitere soziale Schichten waren über die Jahrzehnte von der Fürsorge des Staates ausgeschlossen. Dessen Legitimität wurde aber durch den zunehmenden Mangel an wirtschaftlichen Chancen, wachsende Ungleichheit und unverhohlene Vetternwirtschaft ausgehöhlt. Wie sieht es ein Jahrzehnt später aus? Brodeln die Kräfte, die den Arabischen Frühling zum Leben erweckten, noch immer? Hat sich die Lage in Bezug auf Ungleichheit und soziale Gerechtigkeit verbessert?

Dass der informelle Sektor in den meisten Ländern des Nahen Ostens und Nordafrikas (MENA) weiter wächst, ist ein klares Zeichen für das unverändert hohe Maß an Ungleichheit. Derzeit sind in Ägypten und Marokko mehr als 70 Prozent der Erwerbsbevölkerung in der informellen Wirtschaft beschäftigt, in Tunesien mit 63 Prozent nur unwesentlich weniger.

Doch wie kam es zur Informalisierung der Ökonomie und Herausbildung der „unsozialen“ Gesellschaftsverträge? Erstens entstanden in vielen MENA-Ländern Markteintrittsbarrieren, die die von der Klientel der Regierungen dominierten Wirtschaftszweige vom Wettbewerb abschotten. Sie behinderten die Entwicklung des Privatsektors und ermöglichten nur Unterstützern der Regime, Profite anzuhäufen. In Marokko rekrutierte sich dieser Klüngel hauptsächlich aus Personen mit engen Kontakten zur Königsfamilie. In Tunesien profitierte vor allem das weitverzweigte Netz von Familienunternehmen des Präsidenten Ben Ali und seiner Ehefrau. In Ägypten handelte es sich um Unternehmer mit persönlichen Verbindungen zur Regierung. Abgeschottete Märkte führten zum Phänomen der „fehlenden Mitte“, bei dem wenige alte und etablierte Großunternehmen einer großen Zahl an informellen Kleinunternehmen gegenüberstehen. Zugleich fehlen innovative, junge Firmen, die Arbeitsplätze schaffen, so dass die MENA-Region heute die weltweit höchste Jugendarbeitslosigkeit verzeichnet und der informelle Sektor unaufhörlich wächst.

Zweitens beschränkten die MENA-Regierungen im Rahmen ihrer marktorientierten Reformen in den 1990er Jahren Einstellungen im öffentlichen Sektor. Und die Privatwirtschaft war nicht in der Lage, diesen Rückgang der Jobs im öffentlichen Sektor auszugleichen. Entlassene und Schulabgänger*innen reihten sich in die Schar der Arbeitslosen und Unterbeschäftigten. Da sich arme Menschen Arbeitslosigkeit nicht leisten können, landeten sie größtenteils in der informellen Ökonomie, wo Arbeit zumeist schlecht bezahlt wird, unsicher ist und die Arbeitnehmer*innen kaum Entwicklungschancen haben, und sich so in der „Informalitätsfalle“ befinden. Sie findet sich vor allem in der Landwirtschaft, im Baugewerbe, im Kleinhandel und bei einfachen Dienstleistungen. Zahlen aus Ägypten zeigen, dass vor allem die niedrigsten Löhne in der informellen Ökonomie kontinuierlich sanken und die Kluft zwischen Gutverdienenden und Billiglöhner*innen wuchs. Dies stabilisierte die politischen Regime vor dem Ausbruch des Arabischen Frühlings sogar noch, da informell Beschäftigte üblicherweise keine Gewerkschaften oder Berufsverbindungen gründen, um sich gegen Missstände zu wehren.

Seit dem Arabischen Frühling hat die Einkommens- und Vermögensungleichheit weiter zugenommen. Während sich die soziale Absicherung der meisten Menschen verschlechterte, wenden sich die Wohlhabenden privaten Gesundheitsversorgern und Bildungseinrichtungen zu. Die Situation wird durch höhere Lebenshaltungskosten noch verschärft. Wer noch Zugang zur Grundversorgung wie Bildung und fließendem Wasser hat, wird von Faktoren wie Familieneinkommen, Bildungsgrad der Eltern, Wohnort und Geschlecht bestimmt, die der oder die Einzelne nicht beeinflussen kann. Die Chancenungleichheit steigt, trotzdem ist die ökonomische Wende bisher ausgeblieben.

Auf politischer Ebene entwickelten sich die Gesellschaftsverträge nach dem Arabischen Frühling in den drei genannten Ländern unterschiedlich. In Ägypten hat der ohnehin schon unsoziale Gesellschaftsvertrag zu noch prekäreren Verhältnissen geführt. Anstatt als unparteiische Institution zu agieren, hat sich die Armee immer stärker in der Wirtschaft engagiert. In Marokko behielt der König seine Vorrangstellung, zeigte aber auch Reformwillen. Seine Wirtschaftspolitik eröffnet kleineren Unternehmen inzwischen mehr Chancen, was die Grundlage für einen breiter gefassten Gesellschaftsvertrag schaffen könnte. Tunesien ist noch auf der Suche nach einem neuen Entwicklungsmodell, das breitere Sozialschichten einschließt. Doch das Land ringt damit, Konsens über eine klare wirtschaftspolitische Ausrichtung herzustellen.

Zehn Jahre nach dem Arabischen Frühling verzeichnet die Region kaum wirtschaftlichen Fortschritt, von dem der Großteil der Bevölkerung profitieren würde. Um die „unsozialen“ Gesellschaftsverträge sozialer zu machen, müssten die wirtschaftliche Begünstigung der politischen Klientel der Regierungen beendet und die Situation der informell Beschäftigten und Arbeitslosen verbessert werden. Ob die bisherigen Reformanstöße in Tunesien und Marokko hierfür ausreichen, ist zweifelhaft, wenn auch nicht völlig aussichtslos. Änderungen sind nur möglich, wenn politische Entscheidungsträger*innen den Eindruck gewinnen, dass der nächste Arabische Frühling vor der Tür steht und ihre eigenen Positionen in Gefahr sind. Hierauf sollten sie mit Reformen statt immer stärkerer Repression reagieren.

Ist der „unsoziale“ Gesellschaftsvertrag im Nahen Osten Vergangenheit?

Vor einem Jahrzehnt erklang auf den Straßen von Tunesien, Ägypten, Libyen, Jemen, Syrien und Bahrain der Ruf der Jugend nach Leben, Freiheit, Würde und sozialer Gerechtigkeit. Die jungen Menschen sehnten sich nach Chancen auf menschenwürdige Arbeit und gingen auf die Straße, um gegen die bestehenden „unsozialen“ Gesellschaftsverträge zu protestieren. Diese gewährleisteten nicht mehr Arbeitsplätze, kostenlose Bildung und Gesundheitsversorgung wie die populistisch-autoritären Gesellschaftsverträge, die noch bis in die 1970er Jahre bestanden hatten. Immer breitere soziale Schichten waren über die Jahrzehnte von der Fürsorge des Staates ausgeschlossen. Dessen Legitimität wurde aber durch den zunehmenden Mangel an wirtschaftlichen Chancen, wachsende Ungleichheit und unverhohlene Vetternwirtschaft ausgehöhlt. Wie sieht es ein Jahrzehnt später aus? Brodeln die Kräfte, die den Arabischen Frühling zum Leben erweckten, noch immer? Hat sich die Lage in Bezug auf Ungleichheit und soziale Gerechtigkeit verbessert?

Dass der informelle Sektor in den meisten Ländern des Nahen Ostens und Nordafrikas (MENA) weiter wächst, ist ein klares Zeichen für das unverändert hohe Maß an Ungleichheit. Derzeit sind in Ägypten und Marokko mehr als 70 Prozent der Erwerbsbevölkerung in der informellen Wirtschaft beschäftigt, in Tunesien mit 63 Prozent nur unwesentlich weniger.

Doch wie kam es zur Informalisierung der Ökonomie und Herausbildung der „unsozialen“ Gesellschaftsverträge? Erstens entstanden in vielen MENA-Ländern Markteintrittsbarrieren, die die von der Klientel der Regierungen dominierten Wirtschaftszweige vom Wettbewerb abschotten. Sie behinderten die Entwicklung des Privatsektors und ermöglichten nur Unterstützern der Regime, Profite anzuhäufen. In Marokko rekrutierte sich dieser Klüngel hauptsächlich aus Personen mit engen Kontakten zur Königsfamilie. In Tunesien profitierte vor allem das weitverzweigte Netz von Familienunternehmen des Präsidenten Ben Ali und seiner Ehefrau. In Ägypten handelte es sich um Unternehmer mit persönlichen Verbindungen zur Regierung. Abgeschottete Märkte führten zum Phänomen der „fehlenden Mitte“, bei dem wenige alte und etablierte Großunternehmen einer großen Zahl an informellen Kleinunternehmen gegenüberstehen. Zugleich fehlen innovative, junge Firmen, die Arbeitsplätze schaffen, so dass die MENA-Region heute die weltweit höchste Jugendarbeitslosigkeit verzeichnet und der informelle Sektor unaufhörlich wächst.

Zweitens beschränkten die MENA-Regierungen im Rahmen ihrer marktorientierten Reformen in den 1990er Jahren Einstellungen im öffentlichen Sektor. Und die Privatwirtschaft war nicht in der Lage, diesen Rückgang der Jobs im öffentlichen Sektor auszugleichen. Entlassene und Schulabgänger*innen reihten sich in die Schar der Arbeitslosen und Unterbeschäftigten. Da sich arme Menschen Arbeitslosigkeit nicht leisten können, landeten sie größtenteils in der informellen Ökonomie, wo Arbeit zumeist schlecht bezahlt wird, unsicher ist und die Arbeitnehmer*innen kaum Entwicklungschancen haben, und sich so in der „Informalitätsfalle“ befinden. Sie findet sich vor allem in der Landwirtschaft, im Baugewerbe, im Kleinhandel und bei einfachen Dienstleistungen. Zahlen aus Ägypten zeigen, dass vor allem die niedrigsten Löhne in der informellen Ökonomie kontinuierlich sanken und die Kluft zwischen Gutverdienenden und Billiglöhner*innen wuchs. Dies stabilisierte die politischen Regime vor dem Ausbruch des Arabischen Frühlings sogar noch, da informell Beschäftigte üblicherweise keine Gewerkschaften oder Berufsverbindungen gründen, um sich gegen Missstände zu wehren.

Seit dem Arabischen Frühling hat die Einkommens- und Vermögensungleichheit weiter zugenommen. Während sich die soziale Absicherung der meisten Menschen verschlechterte, wenden sich die Wohlhabenden privaten Gesundheitsversorgern und Bildungseinrichtungen zu. Die Situation wird durch höhere Lebenshaltungskosten noch verschärft. Wer noch Zugang zur Grundversorgung wie Bildung und fließendem Wasser hat, wird von Faktoren wie Familieneinkommen, Bildungsgrad der Eltern, Wohnort und Geschlecht bestimmt, die der oder die Einzelne nicht beeinflussen kann. Die Chancenungleichheit steigt, trotzdem ist die ökonomische Wende bisher ausgeblieben.

Auf politischer Ebene entwickelten sich die Gesellschaftsverträge nach dem Arabischen Frühling in den drei genannten Ländern unterschiedlich. In Ägypten hat der ohnehin schon unsoziale Gesellschaftsvertrag zu noch prekäreren Verhältnissen geführt. Anstatt als unparteiische Institution zu agieren, hat sich die Armee immer stärker in der Wirtschaft engagiert. In Marokko behielt der König seine Vorrangstellung, zeigte aber auch Reformwillen. Seine Wirtschaftspolitik eröffnet kleineren Unternehmen inzwischen mehr Chancen, was die Grundlage für einen breiter gefassten Gesellschaftsvertrag schaffen könnte. Tunesien ist noch auf der Suche nach einem neuen Entwicklungsmodell, das breitere Sozialschichten einschließt. Doch das Land ringt damit, Konsens über eine klare wirtschaftspolitische Ausrichtung herzustellen.

Zehn Jahre nach dem Arabischen Frühling verzeichnet die Region kaum wirtschaftlichen Fortschritt, von dem der Großteil der Bevölkerung profitieren würde. Um die „unsozialen“ Gesellschaftsverträge sozialer zu machen, müssten die wirtschaftliche Begünstigung der politischen Klientel der Regierungen beendet und die Situation der informell Beschäftigten und Arbeitslosen verbessert werden. Ob die bisherigen Reformanstöße in Tunesien und Marokko hierfür ausreichen, ist zweifelhaft, wenn auch nicht völlig aussichtslos. Änderungen sind nur möglich, wenn politische Entscheidungsträger*innen den Eindruck gewinnen, dass der nächste Arabische Frühling vor der Tür steht und ihre eigenen Positionen in Gefahr sind. Hierauf sollten sie mit Reformen statt immer stärkerer Repression reagieren.

Ist der „unsoziale“ Gesellschaftsvertrag im Nahen Osten Vergangenheit?

Vor einem Jahrzehnt erklang auf den Straßen von Tunesien, Ägypten, Libyen, Jemen, Syrien und Bahrain der Ruf der Jugend nach Leben, Freiheit, Würde und sozialer Gerechtigkeit. Die jungen Menschen sehnten sich nach Chancen auf menschenwürdige Arbeit und gingen auf die Straße, um gegen die bestehenden „unsozialen“ Gesellschaftsverträge zu protestieren. Diese gewährleisteten nicht mehr Arbeitsplätze, kostenlose Bildung und Gesundheitsversorgung wie die populistisch-autoritären Gesellschaftsverträge, die noch bis in die 1970er Jahre bestanden hatten. Immer breitere soziale Schichten waren über die Jahrzehnte von der Fürsorge des Staates ausgeschlossen. Dessen Legitimität wurde aber durch den zunehmenden Mangel an wirtschaftlichen Chancen, wachsende Ungleichheit und unverhohlene Vetternwirtschaft ausgehöhlt. Wie sieht es ein Jahrzehnt später aus? Brodeln die Kräfte, die den Arabischen Frühling zum Leben erweckten, noch immer? Hat sich die Lage in Bezug auf Ungleichheit und soziale Gerechtigkeit verbessert?

Dass der informelle Sektor in den meisten Ländern des Nahen Ostens und Nordafrikas (MENA) weiter wächst, ist ein klares Zeichen für das unverändert hohe Maß an Ungleichheit. Derzeit sind in Ägypten und Marokko mehr als 70 Prozent der Erwerbsbevölkerung in der informellen Wirtschaft beschäftigt, in Tunesien mit 63 Prozent nur unwesentlich weniger.

Doch wie kam es zur Informalisierung der Ökonomie und Herausbildung der „unsozialen“ Gesellschaftsverträge? Erstens entstanden in vielen MENA-Ländern Markteintrittsbarrieren, die die von der Klientel der Regierungen dominierten Wirtschaftszweige vom Wettbewerb abschotten. Sie behinderten die Entwicklung des Privatsektors und ermöglichten nur Unterstützern der Regime, Profite anzuhäufen. In Marokko rekrutierte sich dieser Klüngel hauptsächlich aus Personen mit engen Kontakten zur Königsfamilie. In Tunesien profitierte vor allem das weitverzweigte Netz von Familienunternehmen des Präsidenten Ben Ali und seiner Ehefrau. In Ägypten handelte es sich um Unternehmer mit persönlichen Verbindungen zur Regierung. Abgeschottete Märkte führten zum Phänomen der „fehlenden Mitte“, bei dem wenige alte und etablierte Großunternehmen einer großen Zahl an informellen Kleinunternehmen gegenüberstehen. Zugleich fehlen innovative, junge Firmen, die Arbeitsplätze schaffen, so dass die MENA-Region heute die weltweit höchste Jugendarbeitslosigkeit verzeichnet und der informelle Sektor unaufhörlich wächst.

Zweitens beschränkten die MENA-Regierungen im Rahmen ihrer marktorientierten Reformen in den 1990er Jahren Einstellungen im öffentlichen Sektor. Und die Privatwirtschaft war nicht in der Lage, diesen Rückgang der Jobs im öffentlichen Sektor auszugleichen. Entlassene und Schulabgänger*innen reihten sich in die Schar der Arbeitslosen und Unterbeschäftigten. Da sich arme Menschen Arbeitslosigkeit nicht leisten können, landeten sie größtenteils in der informellen Ökonomie, wo Arbeit zumeist schlecht bezahlt wird, unsicher ist und die Arbeitnehmer*innen kaum Entwicklungschancen haben, und sich so in der „Informalitätsfalle“ befinden. Sie findet sich vor allem in der Landwirtschaft, im Baugewerbe, im Kleinhandel und bei einfachen Dienstleistungen. Zahlen aus Ägypten zeigen, dass vor allem die niedrigsten Löhne in der informellen Ökonomie kontinuierlich sanken und die Kluft zwischen Gutverdienenden und Billiglöhner*innen wuchs. Dies stabilisierte die politischen Regime vor dem Ausbruch des Arabischen Frühlings sogar noch, da informell Beschäftigte üblicherweise keine Gewerkschaften oder Berufsverbindungen gründen, um sich gegen Missstände zu wehren.

Seit dem Arabischen Frühling hat die Einkommens- und Vermögensungleichheit weiter zugenommen. Während sich die soziale Absicherung der meisten Menschen verschlechterte, wenden sich die Wohlhabenden privaten Gesundheitsversorgern und Bildungseinrichtungen zu. Die Situation wird durch höhere Lebenshaltungskosten noch verschärft. Wer noch Zugang zur Grundversorgung wie Bildung und fließendem Wasser hat, wird von Faktoren wie Familieneinkommen, Bildungsgrad der Eltern, Wohnort und Geschlecht bestimmt, die der oder die Einzelne nicht beeinflussen kann. Die Chancenungleichheit steigt, trotzdem ist die ökonomische Wende bisher ausgeblieben.

Auf politischer Ebene entwickelten sich die Gesellschaftsverträge nach dem Arabischen Frühling in den drei genannten Ländern unterschiedlich. In Ägypten hat der ohnehin schon unsoziale Gesellschaftsvertrag zu noch prekäreren Verhältnissen geführt. Anstatt als unparteiische Institution zu agieren, hat sich die Armee immer stärker in der Wirtschaft engagiert. In Marokko behielt der König seine Vorrangstellung, zeigte aber auch Reformwillen. Seine Wirtschaftspolitik eröffnet kleineren Unternehmen inzwischen mehr Chancen, was die Grundlage für einen breiter gefassten Gesellschaftsvertrag schaffen könnte. Tunesien ist noch auf der Suche nach einem neuen Entwicklungsmodell, das breitere Sozialschichten einschließt. Doch das Land ringt damit, Konsens über eine klare wirtschaftspolitische Ausrichtung herzustellen.

Zehn Jahre nach dem Arabischen Frühling verzeichnet die Region kaum wirtschaftlichen Fortschritt, von dem der Großteil der Bevölkerung profitieren würde. Um die „unsozialen“ Gesellschaftsverträge sozialer zu machen, müssten die wirtschaftliche Begünstigung der politischen Klientel der Regierungen beendet und die Situation der informell Beschäftigten und Arbeitslosen verbessert werden. Ob die bisherigen Reformanstöße in Tunesien und Marokko hierfür ausreichen, ist zweifelhaft, wenn auch nicht völlig aussichtslos. Änderungen sind nur möglich, wenn politische Entscheidungsträger*innen den Eindruck gewinnen, dass der nächste Arabische Frühling vor der Tür steht und ihre eigenen Positionen in Gefahr sind. Hierauf sollten sie mit Reformen statt immer stärkerer Repression reagieren.

The impact of patient capital on job quality, investments and firm performance: cross-country evidence on long-term finance

Despite its importance for development, long-term finance is particularly scarce in countries with lower income levels. This not only results in unrealised growth and employment creation at the national level and at the level of individual firms, but also undermines a broader shift towards better jobs. After all, many long-term investments comprise investments in labour that have the potential to contribute to improvements in the quality of jobs, through training to boost skill levels, the creation of more stable employment relationships, and the higher wages that result. This paper uses more than 17,000 firm-level observations from 73 mostly low- and middle-income countries between 2002 and 2009 to provide the first empirical evidence of the extent to which long-term finance affects the quality of jobs. Additionally, it looks into effects on investments and the performance of firms. The findings, based on inverse probability weighted regression adjustment, indicate that firms with long-term finance exhibit a share of permanent employees that is 0.9 percentage points higher, and train an additional 2.4 per cent of their production workers. The probability that firms invest in fixed assets or in innovations in their production process both increase by more than 5.5 percentage points, while employment and sales growth rises as well. The fact that the positive effects on job quality mostly disappear when defining long-term finance as loans with a maturity of more than one year instead of more than two years, underlines the importance of longer loan maturities for better jobs. Despite presenting favourable theoretical and descriptive arguments, it cannot be ruled out completely that unobservable variables affect the estimation of effect sizes.

The impact of patient capital on job quality, investments and firm performance: cross-country evidence on long-term finance

Despite its importance for development, long-term finance is particularly scarce in countries with lower income levels. This not only results in unrealised growth and employment creation at the national level and at the level of individual firms, but also undermines a broader shift towards better jobs. After all, many long-term investments comprise investments in labour that have the potential to contribute to improvements in the quality of jobs, through training to boost skill levels, the creation of more stable employment relationships, and the higher wages that result. This paper uses more than 17,000 firm-level observations from 73 mostly low- and middle-income countries between 2002 and 2009 to provide the first empirical evidence of the extent to which long-term finance affects the quality of jobs. Additionally, it looks into effects on investments and the performance of firms. The findings, based on inverse probability weighted regression adjustment, indicate that firms with long-term finance exhibit a share of permanent employees that is 0.9 percentage points higher, and train an additional 2.4 per cent of their production workers. The probability that firms invest in fixed assets or in innovations in their production process both increase by more than 5.5 percentage points, while employment and sales growth rises as well. The fact that the positive effects on job quality mostly disappear when defining long-term finance as loans with a maturity of more than one year instead of more than two years, underlines the importance of longer loan maturities for better jobs. Despite presenting favourable theoretical and descriptive arguments, it cannot be ruled out completely that unobservable variables affect the estimation of effect sizes.

The impact of patient capital on job quality, investments and firm performance: cross-country evidence on long-term finance

Despite its importance for development, long-term finance is particularly scarce in countries with lower income levels. This not only results in unrealised growth and employment creation at the national level and at the level of individual firms, but also undermines a broader shift towards better jobs. After all, many long-term investments comprise investments in labour that have the potential to contribute to improvements in the quality of jobs, through training to boost skill levels, the creation of more stable employment relationships, and the higher wages that result. This paper uses more than 17,000 firm-level observations from 73 mostly low- and middle-income countries between 2002 and 2009 to provide the first empirical evidence of the extent to which long-term finance affects the quality of jobs. Additionally, it looks into effects on investments and the performance of firms. The findings, based on inverse probability weighted regression adjustment, indicate that firms with long-term finance exhibit a share of permanent employees that is 0.9 percentage points higher, and train an additional 2.4 per cent of their production workers. The probability that firms invest in fixed assets or in innovations in their production process both increase by more than 5.5 percentage points, while employment and sales growth rises as well. The fact that the positive effects on job quality mostly disappear when defining long-term finance as loans with a maturity of more than one year instead of more than two years, underlines the importance of longer loan maturities for better jobs. Despite presenting favourable theoretical and descriptive arguments, it cannot be ruled out completely that unobservable variables affect the estimation of effect sizes.

Puzzles of political change in the Middle East: political liberalisation, authoritarian resilience and the question of systemic change

One decade after the Arab uprisings of 2010/11, the present discussion paper revisits processes of political change in the Middle East and North Africa (MENA) with a focus on the question of systemic change. Core questions in this context are: How, among all possible varieties of political change, do we know when political change is systemic? When do we speak of “democratisation”, and when of “authoritarian upgrading” or “- re-consolidation”? Can we predict such processes? If not, can we at least tell when systemic transition is more or less likely to occur, and what influences its occurrence? The three parts of this discussion paper build on one another in order to address and answer these puzzles.
The introduction is followed by a conceptual second section (Section 2) that establishes the analytical frame of reference by discussing and defining key concepts needed for understanding and analysing change of and change in political regimes. That way, Part I can then review democratisation theories (Section 3) and distil, from these, variables that aim at explaining why sometimes nondemocratic regimes transform into democracies, whereas in other cases they do not (Section 4). Yet, not all political change is democratising in nature; hence Part II complements the picture by investigating theories of authoritarian resilience (Section 5). From that, it extracts (in Section 6) conditions for authoritarian survival. Based on this analytical groundwork, Part III turns towards the experience of the MENA region and, in a comprehensive section (Section 7), attempts at offering an overview and assessment of political change in that world region by looking at both structural conditions and strategic choices actors have made.
In conclusion (Section 8), the view that Tunisia remains the exceptional case of an at least initially successful transition to democracy is supported.
As democratisation is the outcome most feared by those who hold executive power in most MENA countries, autocrats are – in addition to conducive political and economic factors in the international and regional environments – engaged in constant processes of exchange and “authoritarian learning”. They have devised elaborate strategies to avoid just that: democratisation. Among the most important of such strategies is political reform and liberalisation, which enhance the immediate life expectancy of authoritarian regimes, but at the same time may nurture popular frustration in the long run. However, frustration in large segments of society makes systemic change, if and when it occurs, more likely to be violent and occur through rupture rather than to be peaceful and arise from negotiation. This, in turn, does not bode well for democratisation. Today’s processes of political reform and liberalisation hence tend to effectively prevent systemic change in the short and medium term, and they make violent conflict (including possible state breakdown) a more likely outcome than democratisation in the long run.

Puzzles of political change in the Middle East: political liberalisation, authoritarian resilience and the question of systemic change

One decade after the Arab uprisings of 2010/11, the present discussion paper revisits processes of political change in the Middle East and North Africa (MENA) with a focus on the question of systemic change. Core questions in this context are: How, among all possible varieties of political change, do we know when political change is systemic? When do we speak of “democratisation”, and when of “authoritarian upgrading” or “- re-consolidation”? Can we predict such processes? If not, can we at least tell when systemic transition is more or less likely to occur, and what influences its occurrence? The three parts of this discussion paper build on one another in order to address and answer these puzzles.
The introduction is followed by a conceptual second section (Section 2) that establishes the analytical frame of reference by discussing and defining key concepts needed for understanding and analysing change of and change in political regimes. That way, Part I can then review democratisation theories (Section 3) and distil, from these, variables that aim at explaining why sometimes nondemocratic regimes transform into democracies, whereas in other cases they do not (Section 4). Yet, not all political change is democratising in nature; hence Part II complements the picture by investigating theories of authoritarian resilience (Section 5). From that, it extracts (in Section 6) conditions for authoritarian survival. Based on this analytical groundwork, Part III turns towards the experience of the MENA region and, in a comprehensive section (Section 7), attempts at offering an overview and assessment of political change in that world region by looking at both structural conditions and strategic choices actors have made.
In conclusion (Section 8), the view that Tunisia remains the exceptional case of an at least initially successful transition to democracy is supported.
As democratisation is the outcome most feared by those who hold executive power in most MENA countries, autocrats are – in addition to conducive political and economic factors in the international and regional environments – engaged in constant processes of exchange and “authoritarian learning”. They have devised elaborate strategies to avoid just that: democratisation. Among the most important of such strategies is political reform and liberalisation, which enhance the immediate life expectancy of authoritarian regimes, but at the same time may nurture popular frustration in the long run. However, frustration in large segments of society makes systemic change, if and when it occurs, more likely to be violent and occur through rupture rather than to be peaceful and arise from negotiation. This, in turn, does not bode well for democratisation. Today’s processes of political reform and liberalisation hence tend to effectively prevent systemic change in the short and medium term, and they make violent conflict (including possible state breakdown) a more likely outcome than democratisation in the long run.

Puzzles of political change in the Middle East: political liberalisation, authoritarian resilience and the question of systemic change

One decade after the Arab uprisings of 2010/11, the present discussion paper revisits processes of political change in the Middle East and North Africa (MENA) with a focus on the question of systemic change. Core questions in this context are: How, among all possible varieties of political change, do we know when political change is systemic? When do we speak of “democratisation”, and when of “authoritarian upgrading” or “- re-consolidation”? Can we predict such processes? If not, can we at least tell when systemic transition is more or less likely to occur, and what influences its occurrence? The three parts of this discussion paper build on one another in order to address and answer these puzzles.
The introduction is followed by a conceptual second section (Section 2) that establishes the analytical frame of reference by discussing and defining key concepts needed for understanding and analysing change of and change in political regimes. That way, Part I can then review democratisation theories (Section 3) and distil, from these, variables that aim at explaining why sometimes nondemocratic regimes transform into democracies, whereas in other cases they do not (Section 4). Yet, not all political change is democratising in nature; hence Part II complements the picture by investigating theories of authoritarian resilience (Section 5). From that, it extracts (in Section 6) conditions for authoritarian survival. Based on this analytical groundwork, Part III turns towards the experience of the MENA region and, in a comprehensive section (Section 7), attempts at offering an overview and assessment of political change in that world region by looking at both structural conditions and strategic choices actors have made.
In conclusion (Section 8), the view that Tunisia remains the exceptional case of an at least initially successful transition to democracy is supported.
As democratisation is the outcome most feared by those who hold executive power in most MENA countries, autocrats are – in addition to conducive political and economic factors in the international and regional environments – engaged in constant processes of exchange and “authoritarian learning”. They have devised elaborate strategies to avoid just that: democratisation. Among the most important of such strategies is political reform and liberalisation, which enhance the immediate life expectancy of authoritarian regimes, but at the same time may nurture popular frustration in the long run. However, frustration in large segments of society makes systemic change, if and when it occurs, more likely to be violent and occur through rupture rather than to be peaceful and arise from negotiation. This, in turn, does not bode well for democratisation. Today’s processes of political reform and liberalisation hence tend to effectively prevent systemic change in the short and medium term, and they make violent conflict (including possible state breakdown) a more likely outcome than democratisation in the long run.

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