This paper investigates the impact of aid for trade (AfT) targeted at trade policies on the participation of recipient countries in global value chains (GVCs), and how this impact varies with their prevailing political regimes. In democratic countries, the need for the authorities to account for the interests of various stakeholders (e.g., lobbies, trade unions) can compromise the allocation, use, and effectiveness of AfT. In contrast, less democratic regimes are typically more insulated from political pressures, which may lead to more effective outcomes of aid. At the same time, integration into some complex GVCs requires efficient and democratic institutions, to which these products are sensitive. Employing a sample of 110 countries and data covering 2002-2018, we control for standard determinants of GVC participation, while examining the effect of AfT and the moderating role of the political regime in place. Our estimation addresses the endogeneity of aid through an appropriate instrumentation strategy. Our results suggest that the effect of AfT is mostly positive in autocratic regimes, indicating more effective trade policy reforms. When we account for regional disparities, we find evidence that AfT for trade policy is also impactful in some democratic regimes. This might suggest that the efficacy of AfT is not strictly regime-dependent, but hinges on the government’s commitment to carry out significant reforms leading to greater participation in the global economy.
Many colonies in Africa attained independence through negotiated settlements. However, several others engaged in armed liberation struggles, for example, Kenya, Namibia, South Africa, Southern Rhodesia (Zimbabwe), and the Portuguese colonies of Angola, Cape Verde, Guinea Bissau, Mozambique, and São Tomé and Príncipe. Newly independent states provided liberation movements with bases on their territories and political, military, intellectual, ideological, material, and moral support. In West Africa, Ghana’s first president, Kwame Nkrumah, a notable pan-Africanist, declared in his Independence Day speech in 1957, “Our independence is meaningless unless it is linked up with the total liberation of the African continent.” In East Africa, Julius Nyerere and Jomo Kenyatta, the first presidents of independent Tanzania and Kenya respectively, showed similar commitment to Pan-Africanism and anticolonialism by hosting refugees fleeing armed struggles in Southern Africa. Tanzania hosted the Organization of African Unity Liberation Committee supported anticolonial resistance and liberation movements. President Nyerere supported them for “challenging injustices of empire and apartheid” and declared, “I train freedom fighters”. He encouraged Tanzanians living around liberation movement camps to welcome these movements and their freedom fighters and also protect them from agents of colonial governments. Support also came from many other countries on the continent including Nigeria, Ethiopia, and Algeria. The latter provided sanctuary to representatives of liberation movements such as Nelson Mandela of the African National Congress (ANC) in South Africa.
More than a year ago US President Donald Trump effectively dissolved the national development agency USAID by executive order on his first day in office. Since then, other Western countries have also implemented significant cuts to their development budgets, albeit less drastically than the US. This includes Germany, whose budget for development cooperation (DC) has been shrinking since 2024. The budget of the Federal Ministry for Economic Cooperation and Development (BMZ) does not cover the entirety of DC, but it does reflect the general trend. It stands at just over 10 billion euros for the current year, 2026 – in 2024, it was still 11.1 billion euros.
Welche Möglichkeiten haben Regierungen in Ländern niedrigen oder mittleren Einkommens, den aktuellen Ausfall von Mittelzuflüssen aus der Entwicklungszusammenarbeit zu kompensieren? Der Artikel zeigt: Nachhaltig wirksame Steuerreformen sind schwierig, aber nicht unmöglich. Es gibt durchaus Möglichkeiten, Steuersysteme aufkommensstärker und gerechter zu gestalten. Häufig können bereits Investitionen in die Modernisierung der Steuerverwaltungen positive Resultate hervorbringen, etwa bei der Grundsteuer. In anderen Fällen sind steuerpolitische Maßnahmen erforderlich, zum Beispiel bei der Besteuerung digitaler Dienstleistungen (einschließlich von Finanzdienstleistungen). Auch über Steuervergünstigungen wäre zu reden. Sie werden z.B. für Investitionsförderung oder Armutsbekämpfung eingesetzt, verfehlen jedoch häufig ihre Ziele und verringern das Steueraufkommen erheblich. Für die Umsetzung von Reformen gilt: Mehr als Belehrungen von außen wirkt häufig der horizontale Austausch mit Nachbarländern auf regionaler Ebene. International wäre eine gerechtere Verteilung von Besteuerungsrechten wichtig, damit Staaten weltweit die Leistungsfähigkeit ihrer Fiskalsysteme weiter erhöhen können. Darauf zu warten, macht aber keinen Sinn. Besser ist es, die Spielräume zu nutzen, die sich bereits heute bieten.
The construction and use of datasets have become an important practice in Earth system governance research. By systematically cataloguing various outcomes, policy issues, actors, sites, and processes, datasets enhance the reliability, transparency, and replicability of research. Yet, despite growing interest, efforts to share data, integrate datasets, and develop common standards remain fragmented. This Perspective surveys various scholarly efforts to create datasets and provides a classification of the emerging dataset landscape in the field of Earth system governance. Drawing on examples from our own research and group discussions, we identify current best practices and lessons learned regarding data collection, management, and integration, as well as data usability and sharing. We argue that the design of datasets is not a neutral technical exercise, but has implications for how global environmental governance is theorized and studied. We also highlight how greater attention to data infrastructures can strengthen the relevance of research for policy practitioners and other stakeholders beyond academia.
Bonn, 13. April 2026. Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit muss schnell handeln, um der Düngemittelkrise zu begegnen. Prioritäten: multilaterale Koordination und Bodengesundheit.
Die drohende Düngemittelkrise ist ein Stresstest für die deutsche Entwicklungszusammenarbeit. Diese muss nun beweisen, dass der BMZ Reformplan mehr als nur Papier ist. Die Werkzeuge dafür liegen bereit. Die Krise erfordert kurzfristige Maßnahmen und bietet Gelegenheit für einen überfälligen Paradigmenwechsel: weg von der Abhängigkeit von volatilen Düngemittelmärkten hin zu resilienten, lokal verankerten Strategien.
Drohende Düngemittelkrise und ihre FolgenDer Welt droht erneut eine Düngemittelkrise. Seit die US-amerikanischen und israelischen Luftschläge gegen den Iran zu der Schließung der Straße von Hormus geführt haben, stockt der Handel. Rund ein Drittel des weltweit verschifften Stickstoffdüngers passierte die Meerenge bislang. Nun stiegen die Preise um bis zu 50 Prozent. Für Millionen von Kleinbäuer*innen im Globalen Süden wird ihre Ernährungssicherung gefährdet. Das Welternährungsprogramm warnt, dass der Krieg 45 Millionen weitere Menschen in akute Ernährungsunsicherheit treiben könnte – und auch in Deutschland sind Preisanstiege für Lebensmittel zu erwarten.
In vorherigen Düngemittelkrisen haben steigende Lebensmittelpreise die Inflation stark erhöht. Dies hat nicht nur die Ernährungssicherheit negativ beeinflusst, sondern auch zu Aufständen und einer weiteren Stärkung populistischer Bewegungen geführt. Düngemittelkrisen werden zudem zunehmend im geoökonomischen Wettbewerb politisiert. Zuletzt nutzte Russland Düngemittel-Knappheiten gezielt, um Abhängigkeiten zu vertiefen und politischen Einfluss zu gewinnen. Wer in der Düngemittelkrise Partnerschaften schwächt, verliert an Glaubwürdigkeit und überlässt anderen das Feld.
Die Werkzeuge liegen bereitDeutschland ist mit 3,5 Milliarden Euro (2023) an Investitionen in ländliche Entwicklung und Ernährungssicherheit der größte bilaterale Geber – eine Verantwortung, die jetzt zählt.
Spätestens seit der G7-Präsidentschaft 2022 hat sich Deutschland als multilateraler Akteur bei Ernährungskrisen etabliert – von der Global Alliance for Food Security (GAFS) bis zur Unterstützung des Africa Fertilizer and Soil Health Aktionsplans.
Auch in der Umsetzung leistet die deutsche EZ wichtige Beiträge zur Bodengesundheit. Langfristige Initiativen, wie das GIZ-Vorhaben „Soil Protection and Rehabilitation for Food Security“ (ProSoil) haben länderübergreifend rund eine Million Hektar Agrarland rehabilitiert und Ertragssteigerungen von 44 Prozent bei Kleinbäuer*innen erreicht.
Vier Hebel für die nächsten MonateBasierend auf dem Vertrauen auf multilateraler Ebene und dem starken Portfolio in der Umsetzung kann Deutschland jetzt vier Hebel nutzen.
G7-Koordination verstärken: Die G7-Staaten repräsentieren 73 Prozent aller Geberinvestitionen in Agrar- und Ernährungssysteme. Deutschland sollte koordinierte Maßnahmen vorantreiben und die Reaktivierung der G7 Expert Fertilizer Group vorschlagen. Die Expertengruppe war bereits nach Russlands Angriff 2022 wichtig, um Soforthilfen und mittelfristige Strategien zur Diversifizierung von Lieferketten abzustimmen.
Sondermittel prüfen; Soforthilfe mit nachhaltigen Maßnahmen verbinden: Bereits in der durch Russland ausgelösten Krise 2022, stellte Deutschland 880 Millionen Euro Sondermittel bereit und mobilisierte damit über die G7 weitere 4,5 Milliarden US-Dollar. Entscheidend ist jetzt die Ausgestaltung eines vergleichbaren Mechanismus, der Mittel direkt bei Kleinbäuer*innen ankommen lässt und an laufende Projekte nachhaltig andockt; statt als Krisengewinne bei der Düngemittelindustrie versandet.
Lokale Düngepotenziale erschließen und Nährstoffnutzungseffizienz steigern: Die Abhängigkeit von importiertem Dünger ist ein strukturelles Problem vieler Länder. Agrarökologische Ansätze wie Kompostierung, integriertes Bodenfruchtbarkeitsmanagement und zugekaufte biologische Inputs sind nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern auch wirtschaftlich tragfähig, da sie die Nährstoffnutzungseffizienz konventioneller Düngemittel erhöhen. Das senkt den Bedarf an importierten Düngern. Deutschland sollte diese Ansätze skalieren und weitere Geber einbinden.
Repurposing-Agenda vorantreiben: Die Umwidmung umweltschädlicher Agrarsubventionen kann Abhängigkeiten langfristig abbauen. Deutschland kennt das Problem aus eigener Erfahrung: Allein die Stickstoffüberschüsse der deutschen Landwirtschaft verursachen jährlich Umweltschäden von 4,8 Milliarden Euro. Fossile Subventionen sollten in nachhaltige Bodenpraktiken und den Aufbau dezentraler Düngemittelproduktion umgeleitet werden.
Der BMZ-Reformplan als Chance?Der BMZ-Reformplan bietet den strategischen Rahmen für eine Antwort auf die Krise. Er verstetigt die Sonderinitiative Transformation der Agrar- und Ernährungssysteme und betont, dass Ernährungssicherung auf Afrika fokussiert werden muss, dort, wo die Düngemittelkrise am härtesten zuschlagen wird.
Allerdings hat der Plan eine offene Flanke: eine zu enge Fokussierung der Privatwirtschaft. Das hat zwar seine Berechtigung, aber Erfahrungen aus dem deutschen Portfolio für Bodengesundheit zeigen, dass Lösungen oft lokal und wissensintensiv sind, aber nicht zwingend profitabel für (ausländische) Investoren.
Die Reaktion auf die Krise sollte deshalb entwicklungspolitische Prinzipien als Richtschnur weiter hochhalten und niemanden zurücklassen. Es geht um eine nachhaltige Transformation von Abhängigkeiten.
This paper investigates the determinants and dynamics of labour demand and specifically informal labour in Egypt’s manufacturing sector, using nationally representative firm-level data from the 2020/21 Egyptian Industrial Firm Behavior Survey. Applying ordinary least squares and fractional logit models, we analyse total employment, the share of informal labour, and its average annual change over the firm life cycle. Three key findings emerge. First, employment is positively associated with capital, exporting, innovation, industrial zones, worker training, and managerial education, and negatively associated with sole proprietorships, wages, and total factor productivity. Second, informal employment is more common among private sector firms, sole proprietorships, and firms using more part-time workers, and less prevalent among firms adopting technology or led by more educated managers. Third, changes in informality over time are modest: most formal firms exhibit no change in the share of informal workers. Notably, formal firms that did not initially employ informal labour tend to increase their informal share, while firms that formalised continue to rely heavily on informal employment. Together, these findings underscore the persistence of informality and limited transitions toward full formalisation within Egypt’s formal manufacturing sector.
The European Union (EU) and southern Medi-terranean partners launched the Pact for the Mediter-ranean in November 2025 to reset relations with the EU’s “Southern Neighbourhood” in an increasingly challenging regional context. The Pact comes 30 years after the 1995 Barcelona Process promised to foster economic – and to a lesser degree political – integration in the Mediterranean Basin. The Pact’s declared objective is to “achieve deeper integration within the common Mediterranean space” (EC & HR, 2025). This policy brief discusses the Pact’s prospects for achieving this goal, which previous efforts have failed to reach. For long-time observers of Euro-Mediterranean rela-tions, the Pact appears to be a “back to the future” approach. Its three substantive “pillars” (people, econo-mies and security) echo the three “baskets” (political/ security, economic and socio-cultural) of the original Euro-Mediterranean Partnership. Structurally, it relies on the same mix of differentiated bilateral agreements (now termed “comprehensive partnerships”) within a multilateral regional framework. The Pact’s success depends on whether the EU and Mediterranean partner countries can resolve four core dilemmas that have long challenged their relations:
• The “autocracy dilemma”: balancing the need to work with authoritarian governments with European interests in supporting democracy.
• The “migration dilemma”: securing borders while respecting human rights.
• The “rentierism dilemma”: finding solutions to immediate economic, social and environmental challenges while making necessary reforms to rentier political economies.
• The “regionalism dilemma”: cutting bilateral deals while trying to build regional structures to address collective action problems.
The term “pact” is normally used to describe an agree-ment between two partners, setting out agreed objec-tives and actions for both sides. The Pact for the Mediterranean is an EU policy framework that, at most, represents a tacit agreement with southern Mediter-ranean governments, without committing either side to policy changes or reforms that might have long-term implications. The Pact for the Mediterranean has potential to strengthen sectoral cooperation, for example on renew-able energy, connectivity infrastructure and labour mobility. If accompanied by sufficient resources and mutual trust-building, this functional cooperation may create incentives for deeper integration. This, in turn, will still depend on whether the EU and southern Mediterranean governments can move beyond trans-actionalism and invest in partnerships between their societies: support for democratic movements and institutions, investment in public goods, protection of the natural environment and investment in collective regionalism. Thus far, there is little indication that the EU and southern Mediterranean governments will take advantage of this opportunity.
Heiner Janus and Daniel Esser argue that the rush to devise a strategy for Iran is bound to run into bureaucratic pathologies that drive failures in intelligence and foreign aid alike: manufactured urgency and institutional whitewashing.
Bonn, 7. April 2026. In einer Zeit wachsender geopolitischer Fragmentierung wird sich zeigen, ob Regierungen globale Gesundheit als globales öffentliches Gut verteidigen oder sie geopolitischen Interessen unterordnen.
Zum Weltgesundheitstag 2026 ruft die Weltgesundheitsorganisation (WHO) weltweit dazu auf: „Together for health. Stand with science.“ Für die WHO heißt das, nicht nur wissenschaftliche Evidenz zu respektieren, sondern auch Kooperation und Vertrauen zu sichern, die wirksames globales gesundheitspolitisches Handeln ermöglichen. Das ist die richtige Botschaft. In einer zunehmend fragmentierten geopolitischen Landschaft ist jedoch entscheidend, ob Regierungen noch bereit sind, Kooperation, Vertrauen und Institutionen zu verteidigen, auf die die globale Gesundheitsforschung angewiesen bleibt.
Globale Gesundheitsforschung kann Leben retten, Resilienz stärken und erhebliche gesellschaftliche und wirtschaftliche Erträge schaffen. Doch diese Gewinne setzen voraus, dass Staaten Wissen teilen, Vertrauen aufbauen und Evidenz in kollektives Handeln übersetzen. Genau das wird schwieriger. Globale Gesundheit gerät zunehmend unter den Druck geopolitischer Rivalitäten und transaktionaler Formen der Zusammenarbeit. In einem solchen Umfeld droht Wissenschaft der Logik von Macht und Verhandlung untergeordnet zu werden: Datenaustausch wird an Bedingungen geknüpft, epidemiologische Überwachung politisiert und Forschungspartnerschaften werden asymmetrischer.
Der Austritt der Vereinigten Staaten aus der WHO und die jüngsten bilateralen Gesundheitsabkommen der Trump-Regierung zeigen, wie weit diese Entwicklung bereits reicht. Globale Gesundheit wird von einem Feld internationaler Solidarität zunehmend zu einem Instrument geopolitischer Einflussnahme. Die US-Regierung hat mit 14 afrikanischen Staaten transaktionale Gesundheitsabkommen geschlossen, die erhebliche Risiken für Souveränität, Datenhoheit und Versorgungssicherheit mit sich bringen. Gleichzeitig sind Partnerländer keineswegs ohne Handlungsmacht. Sambia widersetzte sich einem Vorschlag, Gesundheitsfinanzierung an den Zugang zu Kupfer und Kobalt zu knüpfen. In Kenia verzögerte die gerichtliche Überprüfung die Umsetzung eines Gesundheitsabkommens mit den Vereinigten Staaten. Solche Deals erschweren nicht nur die Zusammenarbeit zum Schutz globaler Gesundheit. Sie untergraben auch die multilaterale Grundlage für die Prävention und Bewältigung von Pandemien, antimikrobiellen Resistenzen und klimabedingten Gesundheitsrisiken.
Diese Entwicklung hat direkte Folgen für die deutsche globale Gesundheitspolitik. Die Frage ist nicht mehr nur, ob Deutschland globale Gesundheit unterstützt. Entscheidend ist auch, die politischen und institutionellen Voraussetzungen zu schützen, unter denen Wissenschaft grenzüberschreitend wirken kann: Datenaustausch, verlässliche epidemiologische Überwachung, kooperative Forschung und Institutionen, die Evidenz in politisches Handeln übersetzen.
Der jüngste Review der deutschen Strategie zu globaler Gesundheit ist deshalb wichtig. Sie bekräftigt die Bedeutung globaler Gesundheit und setzt bis 2030 stärkere Akzente bei Prävention, klimaresilienten Gesundheitssystemen, Pandemievorsorge und multilateraler Gesundheitsgovernance. Auch die neue BMZ-Strategie setzt stärker auf Reform der globalen Gesundheitsarchitektur, Arbeitsteilung mit anderen Gebern und multilaterale Ansätze. Im Grundsatz ist das richtig. Der eigentliche Test ist jedoch die Kohärenz: ob dem höheren Anspruch auch Umsetzung folgt. Drei Punkte sind dabei wichtig:
Erstens sollte Deutschland über seine traditionelle Geberrolle hinausdenken und einen stärker reformorientierten Ansatz verfolgen. Sein finanzielles und politisches Gewicht könnte nicht nur dazu dienen, bestehende globale Gesundheitsinstitutionen zu erhalten, sondern auch dazu, Organisationen wie Gavi und den Global Fund besser aufeinander abzustimmen und wirksamer aufzustellen. Dazu würde auch eine engere Zusammenarbeit im Sinne der Lusaka Agenda gehören, mit dem klaren Ziel, Fragmentierung für Partnerländer zu verringern.
Zweitens sollte Deutschland wissenschaftliche Erkenntnisse über die Wechselwirkungen zwischen Umwelt und menschlicher Gesundheit ernst nehmen und eine One-Health-Logik noch konsequenter in die Umsetzung integrieren. Dadurch ließen sich Prävention und Bewältigung systematischer mit Klima-, Wasser- und Umweltgesundheit verknüpfen. Andernfalls drohen breitere ökologische und soziale Ursachen gesundheitlicher Risiken – von Entwaldung und Biodiversitätsverlust über den Klimawandel bis hin zur intensiven Landwirtschaft – unzureichend berücksichtigt zu bleiben.
Drittens spricht vieles dafür, bilaterales Engagement neben multilateralen Ansätzen gerade in fragilen Kontexten zu erhalten, in denen lokale Verankerung, Flexibilität und politische Reaktionsfähigkeit oft entscheidend sind. Das ist nicht nur für eine wirksame Umsetzung wichtig, sondern auch für die vertrauensvollen Beziehungen, auf denen Datenaustausch und wissenschaftliche Zusammenarbeit häufig beruhen. So könnte Deutschland multilaterale Stärke mit lokaler Handlungsfähigkeit verbinden, wo multilaterale Institutionen allein oft nicht schnell genug reagieren können.
Der Weltgesundheitstag 2026 trägt damit eine klare politische Botschaft. Zur Wissenschaft zu stehen bedeutet mehr, als wissenschaftliche Evidenz anzuerkennen. Es bedeutet, das Vertrauen, die Fairness und die Institutionen zu verteidigen, die Wissenschaft in den Dienst des Gemeinwohls stellen. In einer Zeit wachsender geopolitischer Fragmentierung wird sich zeigen, ob Regierungen globale Gesundheit als globales öffentliches Gut verteidigen oder sie geopolitischen Interessen unterordnen.
Die Welthandelsorganisation ( WTO ) steht unter massivem Druck durch ausbleibende Reformen und geopolitische Konflikte. Axel Berger ist stellvertretender Direktor des German Institute of Development and Sustainability (IDOS, ehemals Deutsches Institut für Entwicklungspolitik, DIE) und hat die jüngste WTO -Ministerkonferenz beobachtet. Mit Berger sprach Ulla Thiede über Ergebnisse und Herausforderungen.
Ernüchtert blicken wir auf die 14. Ministerkonferenz der Welthandelsorganisation, die in Yaoundé, der Hauptstadt Kameruns, ohne Beschlüsse zu Ende ging. Nun sind pragmatische Lösungen und die Suche nach verlässlichen Allianzen für die Reform des multilateralen Handelssystems gefragt.
This chapter examines China’s engagement with the United Nations (UN) development work through a comparison with Sweden. Both countries are UN member states, but differ on most indicators, including development experiences and trajectories as development cooperation providers. The chapter provides an overview of China’s and Sweden’s general profiles and compares funding practices, strategic priorities and approaches to multilateral cooperation. From a Swedish perspective, the features of China’s approach relative to Sweden’s engagement point to areas of concern, particularly regarding China’s challenge to the relative autonomy of UN bureaucracies and the human rights agenda. At the same time, there might be potential opportunities for closer coordination – notably with regard to the two countries’ complementary funding practices – in a moment of extraordinary upheaval at the UN.
The members of the World Trade Organization (WTO) gathered for the past few days in the capital of Cameroon for their biennial ministerial conference. Before the 14th Ministerial Conference (MC14), sober pragmatism seemed possible. After four days of tense but fruitless negotiations in Yaoundé, sobering pragmatism carried the day. And both assessments still sit at the positive end of the evaluative spectrum.
Bonn, 30. März 2026. Die Blockade der Straße von Hormus verdeutlicht die Anfälligkeit von globalen Düngemittel-Lieferketten für Störungen. Wasserstofftechnologien ermöglichen die lokale Produktion mit erneuerbaren Energien.
Im März 2026 schloss der Iran nach Angriffen durch Israel und die USA die Straße von Hormus. Dies kann erhebliche Auswirkungen auf die Weltwirtschaft haben, da die Meerenge zentral für den Öl- und Gastransport ist und die Preise steigen würden. Weniger Beachtung fanden bislang die Nahrungsmittelproduktion und die Ernährungssicherheit im Globalen Süden, insbesondere in Asien und Subsahara-Afrika, aber auch in Brasilien. Das sich abzeichnende Problem ist eng mit der Düngemittelversorgung verknüpft, insbesondere mit Stickstoffpräparaten. Stickstoff (N), Phosphor (P) und Kalium (K) sind essenzielle Makronährstoffe, wobei Stickstoffdünger weltweit, auch in Afrika, die größte Bedeutung haben. Die globalen Lieferketten für Phosphor und Kalium greifen auf Lagerstätten in Marokko und Kanada zurück, während Stickstoffdünger nicht aus natürlichen Vorkommen stammen. Früher wurden Quellen wie Gülle, Kompost, Guano und chilenischer Salpeter genutzt, um Nutzpflanzen mit Stickstoff zu versorgen. Diese waren jedoch knapp und reichten für die wachsende Weltbevölkerung nicht aus.
Eine entscheidende Innovation stellte das früh im 20. Jahrhundert entwickelte Haber-Bosch-Verfahren (HBV) dar. Heute werden rund 98 % des Ammoniaks so hergestellt, was enorme Ertragssteigerungen ermöglicht hat. Dabei wird Ammoniak (NH₃) aus Wasserstoff (H₂) und Stickstoff (N₂) hergestellt. Während Stickstoff relativ einfach aus der Luft abgeschieden werden kann, ist dies für Wasserstoff nicht möglich, da seine Konzentration in der Atmosphäre sehr gering ist. Stattdessen dominiert die Dampfreformierung von Methan (Steam Methane Reforming, SMR), bei der Erdgas unter hohem Druck und hoher Temperatur mit Wasserdampf umgesetzt wird. Dabei wird Wasserstoff (H₂) gewonnen und CO₂ freigesetzt. Nahezu die gesamte Ammoniakproduktion ist weiterhin von Erdgas und dem traditionellen HBV abhängig, was zwei Probleme verursacht: Erstens müssen die Treibhausgasemissionen der konventionellen Stickstoffdüngerproduktion deutlich reduziert werden. Zweitens ergeben sich sehr lange Lieferketten: Von weltweit lediglich rund 500 NH₃-Anlagen, die an Gasfelder oder Pipelines gebunden sind, gelangen die Produkte über Importhäfen zum landwirtschaftlichen Betrieb. Wie anfällig diese Strukturen sind, lässt sich derzeit beobachten. Auch wirken sich Schwankungen der Erdgaspreise unmittelbar auf die Preise von Düngemitteln aus.
Geringer Düngemitteleinsatz in AfrikaDer weltweite Düngemitteleinsatz stieg von 55 kg/ha im Jahr 1972 auf 134 kg/ha im Jahr 2022 – mit erheblichen regionalen Unterschieden. Im Jahr 2022 wurden in Ostasien durchschnittlich 321 kg/ha, in Lateinamerika 187 kg/ha und in der EU 124 kg/ha ausgebracht. In Subsahara-Afrika hingegen blieb der Düngemitteleinsatz mit durchschnittlich 18 kg/ha sehr gering (1972: 10 kg/ha). Daten der FAO zeigen, dass Afrika die geringste Ernährungssicherheit aller Weltregionen aufweist, unter anderem aufgrund von Konflikten, Naturkatastrophen, dem Klimawandel und der COVID-19-Pandemie. Aber auch der geringe Düngemitteleinsatz verschärft die Ernährungsunsicherheit. Eine unzureichende Nährstoffversorgung verringert Erträge, Nährstoffgehalt und die für die Bodengesundheit wichtige Biomasse. Zugleich kann sinkende Bodenfruchtbarkeit zur Ausweitung landwirtschaftlicher Flächen und zur Entwaldung beitragen.
Zwei Erklärungen der Afrikanischen Union (AU) griffen dieses Problem auf: Die Abuja-Erklärung (2006) setzte ein Ziel von 50 kg/ha bis 2015, das jedoch deutlich verfehlt wurde. Der Entwurf der Nairobi-Erklärung (2024) bekräftigte dieses Ziel, integrierte es jedoch in umfassendere Strategien zur Bodengesundheit und bezog mineralische und organische Düngemittel ein.
Technologische Innovationen für die lokale Ammoniakproduktion und eine geringere Abhängigkeit von LieferkettenEin vielversprechender Ansatz ist die dezentrale, klimaneutrale Produktion von Ammoniak auf Basis eines elektrifizierten HBV, das mit erneuerbaren Energien betrieben wird. Diese Technologien haben bereits einen hohen Reifegrad erreicht; eine erste Anlage wurde auf einem exportorientierten Großbetrieb in Kenia installiert. Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass solche Lösungen in wenigen Jahren wettbewerbsfähig werden und erheblich zur Ernährungssicherheit beitragen könnten, insbesondere in „unterdüngten“ afrikanischen Ländern.
Eine weitere Technologie, die sich derzeit noch in einem frühen Entwicklungsstadium befindet, ist die Rückgewinnung von Ammoniak aus Abwasser. Dieser Ansatz ist auch für die Bewältigung eines weiteren Problems in vielen afrikanischen Ländern relevant: der Eutrophierung von Gewässern infolge übermäßiger Stickstoffeinträge in Oberflächen- und Grundwasser, ein Problem, das durch das rasante Bevölkerungswachstum weiter verschärft wird.
Kleinere Ammoniakprojekte, etwa im Rahmen öffentlich-privater Partnerschaften, könnten zusammen mit Genossenschaften oder ländlichen Gemeinden umgesetzt werden. Entwicklungsprogramme könnten diese Innovationen im Sinne der Nairobi-Erklärung mit Initiativen zur landwirtschaftlichen Entwicklung und zur Bodengesundheit verbinden. Darüber hinaus ist elektrolysebasiertes Ammoniak zwar ein nahezu klimaneutrales Produkt, dessen Handhabung, Transport und Lagerung jedoch weiterhin anspruchsvoll und potenziell gefährlich sind. Dies erfordert entsprechende Maßnahmen zum Kapazitätsaufbau sowie zur Standardisierung und Qualitätssicherung.
Dr. Andreas Stamm ist Geograph und wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Forschungsabteilung "Transformation der Wirtschafts- und Sozialsysteme” des German Institute of Development and Sustainability (IDOS).
Dr. Christine Bosch ist Agrarökonomin und derzeit Postdoktorandin in der Abteilung „Sozialer und institutioneller Wandel in der landwirtschaftlichen Entwicklung“ am Hans-Ruthenberg-Institut der Universität Hohenheim.
Fernanda Nan ist eine internationale Wirtschaftsexpertin mit Spezialisierungen in Recht, Nachhaltigkeit, Compliance- und Prüfungsstandards, Circular Economy Agribusiness und Energie. Sie ist Gastdozentin für das Seminar „Accountability, Ethics, and Governance“ an der Hochschule Osnabrück in Deutschland und unterrichtet „Global Sustainability Business“ an der Fakultät für Ingenieurwissenschaften der Universität Montevideo (UM).
The People’s Republic of China has recently announced several global governance initiatives, with the Global Development Initiative (GDI) at the forefront. Launched in 2021, the GDI is simultaneously embedded within United Nations (UN) frameworks surrounding the Sustainable Development Goals and supposed to advance ‘true multilateralism’ aligned with China’s broader vision for world order. In doing so, the GDI complicates both ‘status quo’ and ‘revisionist’ interpretations of China’s engagement with global governance, alongside efforts to refine this binary. Bridging historical institutionalism and Neo-Gramscian political economy, we argue that the GDI constitutes a form of ‘institutional layering’ that serves as a component of a broader counter-hegemonic strategy: Rather than displacing existing frameworks, China seeks to embed new practices, principles, and alliances within them to advance its material, ideational, and organizational interests. We demonstrate how the GDI functions as a low-cost, low-risk component of a ‘war of position’ that leverages UN legitimacy while incrementally contesting liberal norms and assess its transformative potential for altering the nature of global (development) governance.
Knowledge brokers have emerged as a key mechanism for facilitating knowledge exchange across institutional and epistemic divides to enable more inclusive, informed, and context-sensitive decision-making. However, despite growing recognition about their value and importance, critical gaps remain related to how knowledge brokers operate that hinders their effectiveness and efficiency in practice. One such gap relates to the ethical dimensions of their work, which remain underexplored and lack formal conceptualization. This perspective addresses this gap by examining the overarching ethical challenges knowledge brokers face, and proposing a set of twelve experientially-derived principles to guide more ethically grounded knowledge brokering. For each principle we also outline a suite of practical behaviours, attitudes and actions to support their realisation in practice. In doing so, our goal is to help recognize and engage with the depth of ethical complexity that knowledge brokers must navigate, support those working in these often-invisible roles, and contribute to a broader conversation about how to strengthen the interface of sustainability science, policy and practice. We conclude by calling for greater institutional support, leadership, and a shift toward ‘ethics by design’ approaches that embed ethical reflection and practices in knowledge brokering efforts from the outset.
It’s certainly hard to imagine relevant agreements being reached that could, in the foreseeable future, bring substantive progress in international relations. Alliances of like-minded states could conceivably coalesce around individual issues, but these mechanisms need to become significantly more professional if they are to operate effectively at the margins of international politics (‘pockets of effectiveness’). Europe and other proponents of multilateral cooperation need to urgently ask themselves what the essence of a new multilateralism might be. The ongoing UN80 reform process focuses on efficiency enhancements and institutional reforms. These are certainly necessary, but if reforms are not guided by a clear normative compass, there is a risk that the political substance of international cooperation could be further diluted.
Die strukturelle Krise der Welthandelsorganisation prägt die kommende Ministerkonferenz. Die WTO braucht dringend einen Fortschritt, um nicht ihre Handlungsfähigkeit zu verlieren, mahnen zwei IDOS-Wissenschaftler.
Betriebliche Nachhaltigkeit ist ein zentraler Bestandteil der Institutsentwicklung am IDOS. Mit dieser Erklärung legen wir erstmals einen freiwilligen Nachhaltigkeitsbericht nach dem Deutschen Nachhaltigkeitskodex (DNK) für das Jahr 2024 vor. Der Bericht beleuchtet unsere Aktivitäten und Fortschritte in den Bereichen Unternehmensführung, Umwelt und Gesellschaft und zeigt, wie wir nachhaltiges Handeln systematisch in unsere Institutsentwicklung integrieren.