Das System internationaler Konfliktbearbeitung befindet sich in einer tiefen Krise. Entsprechende Instrumente wie UN-Friedensmissionen werden abgezogen, normative und machtpolitische Voraussetzungen wie eine US-garantierte internationale Ordnung gelten nicht mehr, und bisherige Abkommen haben zu oft eine Vertiefung gewaltsamer autoritärer Systeme statt deren Transformation bewirkt. Am Horn von Afrika zeigt sich diese Krise besonders deutlich. Stabilität brachten dort weder international erzwungene Friedensabkommen wie in Südsudan noch solche, die wie in Sudan 2020 praktisch ohne Mediation zwischen bewaffneten Akteuren ausgehandelt wurden. Regierungen wie die äthiopische haben Friedensprozesse vielmehr regelmäßig instrumentalisiert, um die eigene Herrschaft zu sichern. Jüngere Vermittlungsprozesse sind primär eine Funktion regionaler Rivalitäten und diplomatischer Interessen von beteiligten externen Akteuren, wie in Sudan seit Kriegsbeginn im April 2023. Ist wie hier ausländische Unterstützung verfügbar, haben Konfliktparteien weniger Anreize, sich auf Kompromisse einzulassen. Weil Mechanismen zur Umsetzung von Abkommen nur schwach ausgestattet sind und politisch wenig unterstützt werden, gibt es nach Waffenstillständen keinen inklusiven politischen Prozess, um die Konfliktursachen anzugehen. Erneute Waffengänge sind früher oder später die Folge. Für europäische Beiträge zur Konfliktbewältigung am Horn von Afrika sollten Lehren aus dieser Krise gezogen werden. Es gilt weder nostalgisch auf die weitgehend untergegangene Art der Konfliktbearbeitung zu blicken noch frustriert rein sicherheitsdominierten Ansätzen zu folgen. Vielmehr sollte Europa zivile Friedensinitiativen unterstützen, politische Gewaltökonomien auszutrocknen helfen und die eigene Zusammenarbeit mit konfliktverschärfenden Regierungen wie den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) überdenken.
8. Mai 2026 – In der rentenpolitischen Debatte gewinnt ein aktueller Vorschlag viel Zuspruch: das Renteneintrittsalter an die Zahl der geleisteten Beitragsjahre zu koppeln. Als Kriterium für den Renteneintritt werden in der Regel 45 Beitragsjahre genannt. Die Idee dahinter ist intuitiv einleuchtend: Wer früh berufstätig war und lange eingezahlt hat, soll auch früher in Rente gehen dürfen. Doch so plausibel diese Logik auf den ersten Blick erscheint, so komplex sind die Fragen, die sich für eine Umsetzung ergeben würden. Entscheidend ist, welche Zeiten überhaupt als anrechenbare Wartezeiten gelten. Denn Versicherungsbiografien verlaufen selten geradlinig. Für viele Versicherte wechseln sich Erwerbsphasen mit Zeiten der Arbeitslosigkeit, Krankheit, Kindererziehung oder Pflege ab. Um diese Vielfalt näher zu beleuchten, betrachtet diese Kurzstudie empirische Versicherungszeiten nach verschiedenen rentenrechtlichen Definitionen für die Geburtskohorte 1957. Die Analyse der Versicherungsdaten zeigt, dass unter der aktuellen Definition der Wartezeit von 45 Jahren nur 40 Prozent der Versicherten dieses Jahrgangs die 45-Jahres-Schwelle bis zum Renteneintritt erreicht hatten. Würde man diese Schwelle für alle Versicherten verbindlich einführen, würden vor allem zwei Gruppen erst später als bisher in Rente gehen können: einerseits Akademiker*innen, die später ins Erwerbsleben eintreten, andererseits Personen mit unterbrochenen Erwerbsbiografien. Zu letzteren zählen insbesondere Frauen mit Kindern und Personen mit Phasen längerer Arbeitslosigkeit.
La coopération sanitaire internationale n’a jamais dissocié, dans sa pratique et son financement, l’impératif humanitaire des considérations géopolitiques qui le sous-tendent. L’aide en santé oscille, d’autant plus aujourd’hui, entre solidarité affichée et intérêt stratégique des États. À travers le financement de la lutte contre les grandes pandémies (VIH/SIDA, paludisme, tuberculose), il s’agit également de protéger ses propres frontières épidémiques, consolider des alliances diplomatiques et d’imposer des normes. Ainsi, la tension entre solidarité internationale et intérêt national est constitutive de l’histoire de la coopération sanitaire mondiale, sans qu’aucun acteur n’ait jamais pleinement résolu cette contradiction. Ce qui change avec l’America First Global Health Strategy (AfGHS), publiée en septembre 2025, c’est la rhétorique souverainiste qui s’est radicalement accentuée. Une des plus grandes puissances assume sans détour que son aide sanitaire est un instrument stratégique. Les mots « intérêt national », « accord bilatéral » et « America First » ne sont plus dissimulés derrière un vocabulaire humanitariste, ils structurent le document lui-même.
Cette note propose une lecture critique de l’America First Global Health Strategy. Elle a pour vocation d’en décrypter les mécanismes ainsi que les enjeux géopolitiques, sanitaires et idéologiques. Elle esquisse les perspectives ouvertes, plus spécifiquement sur le continent africain, face à cette recomposition de l’ordre sanitaire mondial.
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Der neuesten Steuerschätzung zufolge dürfte der Gesamtstaat bis 2030 jedes Jahr fast 18 Milliarden Euro weniger als noch im Oktober erwartet zur Verfügung haben. Auf Bundesebene fehlen im Vergleich zum vergangene Woche präsentierten Finanzplan des Bundesfinanzministers im kommenden Jahr voraussichtlich vier Milliarden Euro und 2028 und 2029 jeweils zwei Milliarden Euro. Dazu eine Einschätzung von Teresa Schildmann, Wissenschaftlerin in der Abteilung Makroökonomie im Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) und Mitglied des Arbeitskreises Steuerschätzung:
Die aktuelle Steuerschätzung ist ein Warnsignal für die Finanzpolitik der Bundesregierung. Der finanzielle Spielraum des Bundes wird wieder enger – nicht nur aufgrund der wirtschaftlichen Folgen des Iran-Kriegs, sondern auch wegen zusätzlicher steuerlicher Entlastungsmaßnahmen der vergangenen Monate. Das dürfte die Haushaltsaufstellung für die kommenden Jahre weiter erschweren.
Zwar profitiert der Staat kurzfristig teilweise von höheren Preisen vor allem bei Energie, da diese die Einnahmen etwa bei der Umsatzsteuer erhöhen. Gleichzeitig überwiegen jedoch die negativen Effekte: Die hohe Unsicherheit belastet Konsum und Investitionen, die wirtschaftliche Dynamik schwächt sich ab und insbesondere bei gewinnabhängigen Steuern fallen die Einnahmen geringer aus. Hinzu kommen neue steuerpolitische Maßnahmen wie die dauerhafte Umsatzsteuersenkung in der Gastronomie, die dauerhafte Senkung der Stromsteuer für das produzierende Gewerbe oder der Tankrabatt, also die temporäre Absenkung der Energiesteuer auf Kraftstoffe, die die öffentlichen Haushalte zusätzlich belasten.
Die Bundesregierung steht damit zunehmend vor einem Zielkonflikt: Einerseits besteht weiterhin der politische Wunsch nach Entlastungen für Bürger*innen sowie Unternehmen. Andererseits werden die Spielräume für zusätzliche Ausgaben kleiner. Zusätzliche Einnahmen durch höhere Verbrauchsteuern etwa auf Tabakprodukte und zuckerhaltige Getränke können dabei nur begrenzt helfen.
Es spricht daher vieles dafür, dass die Politik künftig stärker auf die Ausgabenseite schauen muss. Dazu gehören eine konsequentere Prüfung und gegebenenfalls der Abbau von Subventionen, eine effizientere Verwaltung und langfristig auch Reformen bei den Sozialversicherungssystemen. Entscheidend wird sein, die öffentlichen Finanzen nachhaltig zu stabilisieren, ohne die wirtschaftliche Erholung zusätzlich zu belasten.
La Croatie veut stocker ses déchets radioactifs à Trgovska Gora, à une encablure de la frontière bosnienne, dans une zone sismique et près d'un captage d'eau potable. La Bosnie-Herzégovine accuse Zagreb de violer les conventions internationales et va porter sa cause devant les Nations Unies.
- Articles / Radio Slobodna Evropa, Croatie, Bosnie-Herzégovine, Une - Diaporama - En premier, Une - Diaporama, Environnement, Relations régionalesBonn, 7 Mai 2026. Agentische KI hält Einzug in die Entwicklungszusammenarbeit (EZ), noch bevor sie dort gesteuert werden kann. Deutschland sollte bei der technologischen Transformation des Sektors eine Führungsrolle übernehmen.
Agentische KI hält Einzug in die EZ, noch bevor der Sektor die Mittel hat, sie zu steuern. Anders als die bisher genutzten Chatbots handeln agentische Systeme eigenständig: Sie rufen Tools auf und verknüpfen Schritte, um Aufgaben zu lösen. Wenn das OECD-DAC-Governance-Netzwerk diesen Monat über KI berät, stellt sich daher eine schwierige Frage: Wie lässt sich eine derart schnelllebige, zunehmend autonome Technologie einführen und steuern?
Als größter Geber unter den DAC-Ländern sollte Deutschland eine Führungsrolle bei der technologischen Transformation des Entwicklungssektors übernehmen. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) könnte eine technische Einheit aufbauen, die mit KI-Tools experimentiert und Rechenschaftsstandards setzt. Dafür braucht es politischen Willen und einen institutionellen Rahmen, der KI als sich stetig verschiebende technologische Grenze begreift.
Der EZ-Sektor ist noch nicht bereit für agentische KIDas erste Problem ist das enorme Tempo des Wandels. In nur 18 Monaten hat sich die Technologie deutlich gewandelt: von Chatbots, die Informationen abrufen, hin zu Systemen, die Daten generieren und eigenständig mit mehreren Tools arbeiten. Laut AI Index 2025 der Stanford University sanken die Betriebskosten dieser Modelle im selben Zeitraum um mehr als das 280-Fache. Die Hürden für fortschrittliche KI sinken entsprechend. Bei Innovationszyklen von Wochen kommt die EZ mit ihren langen Beschaffungsfristen und der starren Bürokratie kaum hinterher.
Aus dieser Diskrepanz ergibt sich ein Kapazitätsproblem. Entwicklungsorganisationen gelingt es kaum, KI-Innovationen zu verfolgen, eigene Tools zu entwickeln und zugleich Qualifikationslücken zu schließen. Die absehbare Folge: Einzelne Mitarbeitende experimentieren nebenbei, während kleinere Einheiten auf das jeweils günstigste kommerzielle Modell zurückgreifen.
Diese Kapazitätsengpässe haben zwei Folgen. Erstens wird die Skalierbarkeit beeinträchtigt: Laut einer OECD-Übersicht verbleiben die meisten KI-Pilotprojekte in der explorativen Phase. Zweitens führen ad-hoc eingesetzte KI-Anwendungen zu inkompatiblen Standards und Lücken in der Rechenschaftspflicht.
Die größere Hürde sind jedoch die Daten. KI ist nur so leistungsfähig wie die Informationen, auf denen sie beruht. In fragilen Staaten und Gemeinschaften mit eingeschränktem digitalen Zugang – etwa dort, wo viele unterrepräsentierte afrikanische Sprachen in Trainingsdaten kaum vorkommen – können agentische Systeme irreführende Ergebnisse liefern, mit teils gravierenden Folgen für Entwicklungsprogramme.
Das BMZ sollte eine Führungsrolle übernehmenDas BMZ hat bereits Vorarbeit für sektorale Reformen geleistet. Das BMZ Data Lab hat Datenpipelines und einen ministeriellen Chatbot (KIEZ) entwickelt. FAIR Forward hat gemeinsam mit sieben Partnerländern an offenen KI-Daten gearbeitet und dabei aufschlussreiche Materialien produziert. Der neue Reformplan des BMZ greift KI ebenfalls an drei Stellen auf, darunter die Einrichtung einer neuen Einheit für strategische Vorausschau. Doch versteht er KI weiterhin als Instrument – und nicht als sich verschiebende Grenze, die kontinuierliche institutionelle Beobachtung erfordert.
Das BMZ könnte ein Team aufstellen, welches sektorweite KI-Kompetenz bereithält. Dies wäre eine agile Einheit aus Ingenieur*innen und Entwicklungspraktiker*innen, die Ressourcen verschiedener Akteure bündelt, Protokolle entwickelt und modernste KI-Tools für Geber und Entwicklungsorganisationen testet – für eine sichere und dennoch schnellere Einführung. Ihr Mandat ginge über die interne Unterstützung des Ministeriums hinaus. Es würde mit kürzeren Vertrags- und Beschaffungszyklen arbeiten als im Sektor üblich, mit Klauseln, die eine kontinuierliche Weiterentwicklung der Tools im Zuge des technologischen Fortschritts erlauben. Kleinere Geber und andere Organisationen könnten über Co-Entwicklung, gemeinsame Schulungen und offenen Zugang zu Tools und Protokollen auf dieselben Ressourcen zugreifen.
Eine solche Einheit würde zwei Probleme zugleich adressieren. Das BMZ würde zu einem zentralen Knotenpunkt für die Bündelung von Ressourcen und den Aufbau gemeinsamer Kapazitäten im Sektor. Zugleich könnte es sektorspezifische Standards für algorithmische Rechenschaftspflicht entwickeln – etwa verpflichtende Prüfpfade für Entscheidungen in jedem agentischen KI-System. Diese Instrumente wiederum würden das BMZ stärken, indem sie die normativen Debatten über den Einsatz von KI in der EZ weltweit aktiv mitgestalten.
Dieselbe Einheit könnte auch das Datenproblem aufgreifen. Sie könnte Leitlinien für „Datenbereitschaftsbewertungen“ entwickeln – als Standardvoraussetzung für jede KI-gestützte Programmierung (vergleichbar mit Umweltverträglichkeitsprüfungen). Zudem könnte sie dazu beitragen, über Jahrzehnte gewachsenes institutionelles Erfahrungswissen des Sektors in öffentlich zugängliches, KI-gestütztes und handlungsorientiertes Wissen zu überführen (über KIEZ hinaus). Dieses könnte erstens digital benachteiligten Gemeinschaften mehr Sichtbarkeit verschaffen und zweitens Fachkräfte weltweit stärken. Statt eines 100-seitigen, statischen PDF-Toolkits wäre ein interaktives System denkbar, in dem Anwender*innen fragen können: „Was hat in ähnlichen Kontexten wie meinem funktioniert?“ und das daraufhin synthetisierte, quellenbasierte Antworten liefert.
Deutschland sollte dieses enge Zeitfenster nicht verpassen, um zur führenden Stimme der KI-Transformation in der EZ zu werden.
Bonn, 7 Mai 2026. Agentische KI hält Einzug in die Entwicklungszusammenarbeit (EZ), noch bevor sie dort gesteuert werden kann. Deutschland sollte bei der technologischen Transformation des Sektors eine Führungsrolle übernehmen.
Agentische KI hält Einzug in die EZ, noch bevor der Sektor die Mittel hat, sie zu steuern. Anders als die bisher genutzten Chatbots handeln agentische Systeme eigenständig: Sie rufen Tools auf und verknüpfen Schritte, um Aufgaben zu lösen. Wenn das OECD-DAC-Governance-Netzwerk diesen Monat über KI berät, stellt sich daher eine schwierige Frage: Wie lässt sich eine derart schnelllebige, zunehmend autonome Technologie einführen und steuern?
Als größter Geber unter den DAC-Ländern sollte Deutschland eine Führungsrolle bei der technologischen Transformation des Entwicklungssektors übernehmen. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) könnte eine technische Einheit aufbauen, die mit KI-Tools experimentiert und Rechenschaftsstandards setzt. Dafür braucht es politischen Willen und einen institutionellen Rahmen, der KI als sich stetig verschiebende technologische Grenze begreift.
Der EZ-Sektor ist noch nicht bereit für agentische KIDas erste Problem ist das enorme Tempo des Wandels. In nur 18 Monaten hat sich die Technologie deutlich gewandelt: von Chatbots, die Informationen abrufen, hin zu Systemen, die Daten generieren und eigenständig mit mehreren Tools arbeiten. Laut AI Index 2025 der Stanford University sanken die Betriebskosten dieser Modelle im selben Zeitraum um mehr als das 280-Fache. Die Hürden für fortschrittliche KI sinken entsprechend. Bei Innovationszyklen von Wochen kommt die EZ mit ihren langen Beschaffungsfristen und der starren Bürokratie kaum hinterher.
Aus dieser Diskrepanz ergibt sich ein Kapazitätsproblem. Entwicklungsorganisationen gelingt es kaum, KI-Innovationen zu verfolgen, eigene Tools zu entwickeln und zugleich Qualifikationslücken zu schließen. Die absehbare Folge: Einzelne Mitarbeitende experimentieren nebenbei, während kleinere Einheiten auf das jeweils günstigste kommerzielle Modell zurückgreifen.
Diese Kapazitätsengpässe haben zwei Folgen. Erstens wird die Skalierbarkeit beeinträchtigt: Laut einer OECD-Übersicht verbleiben die meisten KI-Pilotprojekte in der explorativen Phase. Zweitens führen ad-hoc eingesetzte KI-Anwendungen zu inkompatiblen Standards und Lücken in der Rechenschaftspflicht.
Die größere Hürde sind jedoch die Daten. KI ist nur so leistungsfähig wie die Informationen, auf denen sie beruht. In fragilen Staaten und Gemeinschaften mit eingeschränktem digitalen Zugang – etwa dort, wo viele unterrepräsentierte afrikanische Sprachen in Trainingsdaten kaum vorkommen – können agentische Systeme irreführende Ergebnisse liefern, mit teils gravierenden Folgen für Entwicklungsprogramme.
Das BMZ sollte eine Führungsrolle übernehmenDas BMZ hat bereits Vorarbeit für sektorale Reformen geleistet. Das BMZ Data Lab hat Datenpipelines und einen ministeriellen Chatbot (KIEZ) entwickelt. FAIR Forward hat gemeinsam mit sieben Partnerländern an offenen KI-Daten gearbeitet und dabei aufschlussreiche Materialien produziert. Der neue Reformplan des BMZ greift KI ebenfalls an drei Stellen auf, darunter die Einrichtung einer neuen Einheit für strategische Vorausschau. Doch versteht er KI weiterhin als Instrument – und nicht als sich verschiebende Grenze, die kontinuierliche institutionelle Beobachtung erfordert.
Das BMZ könnte ein Team aufstellen, welches sektorweite KI-Kompetenz bereithält. Dies wäre eine agile Einheit aus Ingenieur*innen und Entwicklungspraktiker*innen, die Ressourcen verschiedener Akteure bündelt, Protokolle entwickelt und modernste KI-Tools für Geber und Entwicklungsorganisationen testet – für eine sichere und dennoch schnellere Einführung. Ihr Mandat ginge über die interne Unterstützung des Ministeriums hinaus. Es würde mit kürzeren Vertrags- und Beschaffungszyklen arbeiten als im Sektor üblich, mit Klauseln, die eine kontinuierliche Weiterentwicklung der Tools im Zuge des technologischen Fortschritts erlauben. Kleinere Geber und andere Organisationen könnten über Co-Entwicklung, gemeinsame Schulungen und offenen Zugang zu Tools und Protokollen auf dieselben Ressourcen zugreifen.
Eine solche Einheit würde zwei Probleme zugleich adressieren. Das BMZ würde zu einem zentralen Knotenpunkt für die Bündelung von Ressourcen und den Aufbau gemeinsamer Kapazitäten im Sektor. Zugleich könnte es sektorspezifische Standards für algorithmische Rechenschaftspflicht entwickeln – etwa verpflichtende Prüfpfade für Entscheidungen in jedem agentischen KI-System. Diese Instrumente wiederum würden das BMZ stärken, indem sie die normativen Debatten über den Einsatz von KI in der EZ weltweit aktiv mitgestalten.
Dieselbe Einheit könnte auch das Datenproblem aufgreifen. Sie könnte Leitlinien für „Datenbereitschaftsbewertungen“ entwickeln – als Standardvoraussetzung für jede KI-gestützte Programmierung (vergleichbar mit Umweltverträglichkeitsprüfungen). Zudem könnte sie dazu beitragen, über Jahrzehnte gewachsenes institutionelles Erfahrungswissen des Sektors in öffentlich zugängliches, KI-gestütztes und handlungsorientiertes Wissen zu überführen (über KIEZ hinaus). Dieses könnte erstens digital benachteiligten Gemeinschaften mehr Sichtbarkeit verschaffen und zweitens Fachkräfte weltweit stärken. Statt eines 100-seitigen, statischen PDF-Toolkits wäre ein interaktives System denkbar, in dem Anwender*innen fragen können: „Was hat in ähnlichen Kontexten wie meinem funktioniert?“ und das daraufhin synthetisierte, quellenbasierte Antworten liefert.
Deutschland sollte dieses enge Zeitfenster nicht verpassen, um zur führenden Stimme der KI-Transformation in der EZ zu werden.