Mit dem »Sicherheitsschild der Amerikas« (Shield of the Americas) haben die USA eine Initiative auf den Weg gebracht, die Maßnahmen zur Drogenbekämpfung, zur militärischen Zusammenarbeit und zur Veränderung des geopolitischen Wettbewerbs in einem einzigen Rahmen verbindet. Die Trump-Administration verfolgt damit ein hemisphärisches Ordnungskonzept unter eigener Führung, das zugleich auf die ideologische Verbundenheit der Partner setzt, um die Kooperation im multilateralen Rahmen zu vertiefen und Lieferketten sowie die Rohstoffversorgung zu sichern. Es bleiben jedoch viele Fragezeichen hinsichtlich der Verbindlichkeit der Vereinbarung und der Effektivität der Kooperation, da kein Aktionsplan entwickelt wurde und auch keine nachfolgenden Implementierungsschritte festgelegt worden sind. Außenpolitisch binden sich Lateinamerika und die Karibik damit zwar stärker an Washington, doch werden wichtige Staaten der Region auch weiterhin Europa als Diversifizierungspartner wirtschaftlich und politisch in den Blick nehmen.
Seit 2024 hat die EU in rascher Folge mit zwölf Staaten Sicherheits- und Verteidigungspartnerschaften (SDPs) geschlossen, vom Vereinigten Königreich über Kanada bis Indien und Australien. Diese Studie analysiert das neue Instrument in acht Fallstudien sowie mit Blick auf die Türkei und die Ukraine, zwei enge Sicherheitspartner der EU ohne formale SDP. Gemeinsamer Antrieb aller Partnerschaften ist die Diversifizierung von Sicherheitsbeziehungen. Angesichts des russischen Angriffskriegs, der chinesischen Großmachtpolitik und unsicherer US-Sicherheitsgarantien suchen die EU und ihre Partner zusätzliche Standbeine für ihre strategische Absicherung, keinen Ersatz für die USA oder die Nato. Trotz des Anspruchs, jede Partnerschaft »maßgeschneidert« konfiguriert zu haben, enthalten die zwölf Abkommen teils wortgleiche Passagen. Diese werden aber je nach Partner unterschiedlich ausgefüllt. Allianzen mit Beistandspflichten entstehen dabei bewusst nicht. Der Nutzen variiert erheblich: Am größten ist er bei Staaten, die der EU absehbar nicht beitreten, aber für Europas Sicherheit wichtig sind. Die Ukraine übertrifft ohne SDP alle Partner in der Tiefe der Kooperation, während eine SDP mit der strategisch bedeutsamen Türkei politisch blockiert bleibt. Trotz des Fokus auf Sicherheit und Verteidigung bleibt die größte Anziehungskraft der EU wirtschaftlicher Natur; am attraktivsten ist der Zugang zur Rüstungsfinanzierung über SAFE. Langfristig werden die Sicherheitspartnerschaften nur tragen, wenn die EU ihre eigenen sicherheitspolitischen Instrumente konsequent ausbaut und intern kohärenter auftritt. Die EU und ihre Mitgliedstaaten sollten die Rahmenwerke nun mit konkreten Projekten füllen und Prioritäten setzen. Die Studie empfiehlt zudem eine gezielte Erweiterung des Partnerkreises, die Nutzung der SDPs als Brücke zwischen EU und Nato und die Zusammenführung von SDP-Partnern in neuen Konfigurationen jenseits bilateraler Formate.
By setting a 90 per cent emissions reduction target for 2040, the European Union (EU) has taken a key step forward. This decision marks the start of a substantial realignment of its core climate policy instruments. The Commission’s implementation package is expected to comprise more than a dozen legislative proposals, the final form of which is to be negotiated by the Council and the European Parliament. The proposals include, among other items, the crediting of emission reductions from international mitigation projects within the EU Emissions Trading System (ETS), the further development of rules governing land use, land-use change and forestry (LULUCF) and the integration of carbon dioxide removal (CDR) into EU climate policy. Moreover, a political decision is needed on the future role of national targets within the EU’s climate policy architecture. Although the EU can still be regarded as a frontrunner at the global level, given its 90 per cent emissions reduction target, the inclusion of flexibilities in achieving this target creates uncertainties that significantly undermine the credibility and effectiveness of EU climate policy. It is therefore crucial that the Commission promptly presents its detailed proposals on international carbon credits and on updating the overall regulatory framework.
In vielerlei Hinsicht ist Künstliche Intelligenz (KI) eine »normale« Technologie. Sie kann wie andere Technologien für unterschiedliche Zwecke eingesetzt werden, auch in politischer Hinsicht. Die enormen Entwicklungssprünge der KI in den letzten Jahren verstärken insofern Herausforderungen, mit denen Demokratien schon zuvor konfrontiert waren. Insbesondere erlauben KI-Systeme qualitativ wie quantitativ eine neue Stufe an Überwachung und Manipulation. Hinzu kommt jedoch eine Eigenschaft, die über bisher bekannte Technologien hinausgeht, nämlich die immer deutlicher hervortretende Fähigkeit von KI-Systemen, sich eigenständig weiterzuentwickeln. Wird diese Fähigkeit nicht effektiv eingehegt, droht demokratischen Systemen ein massiver Kontroll- und Handlungsverlust.
In the Strait of Hormuz since the beginning of the war waged by the United States and Israel against Iran, it has become evident how vulnerable sea lanes are and how fragile the global political and economic order is. Today, actors willing and able to use instruments of power can threaten key maritime chokepoints and thereby exert political pressure. Germany, acting in concert with its European partners, should adapt to this reality of power politics. Among other things, it should establish a strategic framework for maritime security policy and cooperate closely with old and new partner states to defend the international order.
Am 18. Juni 2026 leitete der US-Handelsbeauftragte nach Section 301 des Trade Act von 1974 eine Untersuchung ein, die sich gegen die deutsche Arzneimittelpolitik richtet. Die Untersuchung könnte letztlich zur Verhängung von Zöllen gegen Deutschland führen. Erstmals nutzt die US-Regierung diese rechtlichen Befugnisse, um die Preisgestaltung für Arzneimittel in anderen Ländern in Frage zu stellen. Zwar fällt die Regulierung von Arzneimittelkosten in die nationale Zuständigkeit; Abwehrmaßnahmen gegen Zölle, die die USA erheben, fallen jedoch in die ausschließliche Zuständigkeit der EU und könnten den Einsatz ihres Anti-Zwang-Instruments rechtfertigen. Die Bundesregierung sollte gemeinsam mit der EU und anderen Mitgliedstaaten auf den Versuch, von außen in die nationale Arzneimittelpreisgestaltung einzugreifen, reagieren. Weitere Partnerschaften mit Drittländern könnten dazu beitragen, das transnationale Problem der Arzneimittelpreisgestaltung anzugehen.
Lange galt Nordkorea vor allem als regionales Sicherheitsproblem in Ostasien. Mittlerweile jedoch ist das Regime in Pjöngjang zu einem Akteur geworden, der überregionale Konflikte wie Russlands Krieg gegen die Ukraine aktiv beeinflusst und dessen aggressive Cyberaktivitäten sich unmittelbar auf Europas Sicherheit auswirken. Die europäische Nordkorea-Politik indes orientiert sich vielfach an strategischen Annahmen, die der veränderten Rolle des Landes nicht mehr gerecht werden. Europa muss daher die von Nordkorea ausgehenden Bedrohungen neu bewerten – und seine Antworten darauf entsprechend anpassen. Denn es könnte sich als Fehler mit hohen politischen Kosten erweisen, diese Gefahr zu ignorieren.
Die geopolitischen Dynamiken im Nahen und Mittleren Osten werden unabhängig vom Kriegsverlauf am Persischen Golf fluide bleiben. Nahezu alle regionalen Akteure sichern sich in verschiedenste Richtungen ab – sicherheitspolitisch, aber auch durch ökonomische Anpassungen. Im Vordergrund stehen Planungen für sichere Transportwege zu und aus den arabischen Golfstaaten. Dabei geht es nicht nur um Öl oder Gas, sondern insgesamt um die Sicherheit der Lieferketten und um multimodale Verbindungen oder Konnektivitätskorridore: für Energielieferungen, für andere Rohstoffe sowie Waren, Daten und Menschen. Nicht jeder Plan wird umgesetzt werden. Aber was entsteht oder auf den Weg gebracht wird, verändert die geoökonomische und beeinflusst zumindest die geopolitische Landkarte der Region, kann regionale Integrationsimpulse geben und sich auf die Zusammenarbeit Europas mit den Ländern der Region auswirken.
In July 2025, the European Commission presented its proposal for the EU’s multiannual financial framework (MFF) for 2028 to 2034. Since then, the member states have been seeking consensus within the Council of the EU. Ideally this should lead to agreement among the heads of state or government before the end of 2026. The new MFF is intended to comprehensively modernise the budget and prepare the EU for new tasks and challenges. Making the next MFF more flexible is a key aspect. Both the member states and the European institutions support the aim of making the EU’s spending policies more flexible in order to enable it to act more effectively, particularly in unforeseen situations and crises. However, this plan conflicts with the key strength of the seven-year budget, namely its predictability and plannability. In addition to resolving the traditional disputes between net contributors and net recipients, an agreement will also have to be reached on making the MFF more flexible and associated institutional issues.
Die drastischen Mittelkürzungen im System der Vereinten Nationen (UN) und in der internationalen Zusammenarbeit gefährden auch die Datenbasis der Flucht- und Migrationspolitik. Je nach Bereich unterscheiden sich die Folgen. Bei Migration erodiert vor allem die statistische Infrastruktur: Werden nationale Volkszählungen und Befragungen eingeschränkt und auf internationaler Ebene Kapazitäten für Aufbereitung und Harmonisierung der erhobenen Daten abgebaut, verlieren globale Schätzungen an Aktualität und Detailtiefe. Bei Flucht und Vertreibung treffen die Kürzungen ein überwiegend projektfinanziertes Datenökosystem, in dem schon zuvor grundsätzlicher Reformbedarf bestand. Entscheidend ist deshalb nicht, möglichst viele Datenaktivitäten zu bewahren. Deutschland und die EU sollten statistische Kernfunktionen sichern, nationale und regionale Kapazitäten stärken und die Finanzierung von Datenerhebung enger an Bedarf, staatlicher Eigenverantwortung und institutioneller Abstimmung ausrichten. Denn welche Daten erhalten werden, beeinflusst auch, welche Aspekte von Migration und Vertreibung politisch sichtbar bleiben.
Wie der Konflikt in der Straße von Hormus verdeutlicht, fehlt es westlichen Streitkräften an Fähigkeiten, mobile Abschussvorrichtungen für Anti-Schiffs-Flugkörper und ‑drohnen vor deren Start zu finden und zu bekämpfen. Mit entsprechenden landgestützten Systemen kontrolliert der Iran hauptsächlich den Verkehr durch die Meerenge. Da sich die US-Regierung scheut, mit Bodentruppen dagegen vorzugehen, konzentriert sie sich darauf, zum einen Elemente der iranischen Küstenverteidigung wie Radarstationen zu bombardieren und zum anderen den Schutz von Handelsschiffen zu gewährleisten. Auf diese Weise hat sich die Bedrohung durch landgestützte Anti-Schiffs-Waffen aber nicht abschwächen lassen. Um deren Einsatz zu verhindern – sei es durch Zerstörung oder ihre Androhung –, sind Fähigkeiten auf gegnerischem Boden nötig. Eine Möglichkeit dafür bilden autonome Landsysteme, wie sich im Kampf der Ukraine gegen die russische Vollinvasion beobachten lässt. Nato-Staaten wie Deutschland sollten diese Erfahrungen aufnehmen und autonome Landsysteme stärker in Verfahren zur Bekämpfung gegnerischer Stellungen an Küsten integrieren.