Der Beginn des Jahres 2026 steht für sichtbare Fortschritte in der Eurozone, die auf den ersten Blick Zuversicht vermitteln. Mit dem Beitritt Bulgariens als 21. Mitglied und der Übernahme des Vorsitzes der Eurogruppe durch den griechischen Finanzminister Kyriakos Pierrakakis werden symbolträchtige Erfolge gefeiert. Griechenland, das vor rund zehn Jahren kurz davorstand, den Euro zu verlassen, zahlt heute seine Verbindlichkeiten vorzeitig zurück. Bis zum Ende des Jahrzehnts könnte die Staatsverschuldung von fast 210 Prozent des Bruttoinlandsprodukts im Jahr 2020 auf etwa 120 Prozent sinken. Auch die Fortschritte bei der Gesetzgebung zum digitalen Euro sowie die Weiterentwicklung europäischer Zahlungsverkehrsinfrastrukturen wie Wero deuten auf eine schrittweise Stärkung der europäischen Zahlungsarchitektur hin. Bei genauerer Betrachtung zeigen sich jedoch weiterhin strukturelle Schwächen, die die Eurozone sowohl in ihrer inneren Funktionsweise als auch in ihrem äußeren Handlungsrahmen betreffen.
Schwächelnde Grundlagen der WährungsunionDie Länder der Eurozone sehen sich mit Problemen wie schwachem Wachstum, Konkurrenz aus China, demografischem Druck und Staatsverschuldung konfrontiert. Das Jahr 2026 verspricht, in Bezug auf den Kreditbedarf, ein Rekordjahr zu werden. In Frankreich wird eine hohe Emission von Staatsanleihen von mehr als 300 Milliarden Euro erwartet, während auch für Italien und Deutschland hohe Volumina prognostiziert werden. Die neuen Fiskalregeln von 2024 behalten den Kontrollrahmen bei, eröffnen jedoch größere Ermessensspielräume und verschieben schwierige Haushaltsentscheidungen. Die Wirksamkeit hängt damit weitgehend von der Fähigkeit der Mitgliedstaaten ab, eine verantwortungsvolle, langfristige Wirtschafts- und Fiskalpolitik zu betreiben, was – wie das Beispiel Frankreichs zeigt – mitunter schwierig ist. Führende Politiker der französischen Union Nationale fordern, dass die Europäische Zentralbank (EZB) direkt Anleihen der zweitgrößten Volkswirtschaft der Eurozone aufkauft. Obwohl eine solche Option schwer vorstellbar ist, untergräbt allein schon die Diskussion darüber die Unabhängigkeit der EZB und führt zu erhöhten politischen Spannungen innerhalb der Union. Ähnliche Herausforderungen ergeben sich in Italien, wo eine gesetzliche Festschreibung geplant ist, dass die Goldreserven der Zentralbank »den Bürgern gehören«, was den politischen Zugriff auf diese Reserven erleichtern könnte.
Der Euro – zweitwichtigste Weltwährung mit begrenztem HandlungsspielraumAuf internationaler Ebene ist der Euro nach dem US-Dollar die zweitwichtigste Währung der Welt. Gleichzeitig verfügen seine wichtigsten Stabilisierungsinstitutionen, die EZB und der Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM), nur über begrenzte Möglichkeiten, auf geopolitische Krisen zu reagieren. So konnte die EZB weder ein Reparationsdarlehen für Kyiv auf Basis russischer Vermögenswerte absichern noch der Nationalbank der Ukraine Liquiditätshilfe in Form von Swaps gewähren. Der ESM verfügt zwar über rund 430 Milliarden Euro ungenutzter Kreditkapazitäten, aber eine Erweiterung seines Mandats erfordert die Einstimmigkeit aller 21 Mitgliedstaaten.
Seit dem Ende der Staatsschuldenkrise im Jahr 2015 wurde eine breitere Debatte über das Funktionieren der Eurozone im neuen geopolitischen Umfeld nicht geführt. Während interne Risiken fortbestehen, nehmen externe Herausforderungen zu. Dazu zählen die Politisierung der Geldpolitik in den USA, die Digitalisierung von Währungen sowie die Entwicklung von Stablecoins. Strategische Überlegungen sollten auch die Möglichkeiten umfassen, wie die Architektur der Eurozone die geopolitischen Ziele der EU unterstützen könnte. Die bevorstehende Wahl des Nachfolgers oder der Nachfolgerin von EZB-Präsidentin Christine Lagarde bietet die Gelegenheit, den Fokus über Personalthemen hinaus zu erweitern und eine breite Debatte über Reformen und die Zukunft der Währungsintegration zu führen. Andernfalls bleibt die Eurozone in einem Zustand der Unsicherheit mit begrenzten Instrumenten, um ihr internationales Gewicht wirksam einzusetzen.
Kritische Rohstoffe sind zu einem Schlüsselthema der Trump-Administration geworden. Mit einer Mischung aus Deregulierung, staatlicher Steuerung und Finanzierung will sie die amerikanische Rohstoffindustrie ausbauen. Denn die hohe Abhängigkeit der USA von chinesischen Rohstoffen zwingt Washington bei Verhandlungen mit Peking zu schmerzhaften Zugeständnissen. Trump nutzt die Rohstofffrage nun selbst als geopolitischen Hebel, um seine handels- und sicherheitspolitischen Interessen global geltend zu machen. Während multilaterale Foren wie die Minerals Security Partnership brachliegen, setzt Trump auch im Rohstoffsektor auf bilaterale Deals. Bei der Sicherung kritischer Rohstoffe konkurriert Europa mittlerweile nicht mehr nur mit China, sondern auch mit den USA. Daher sollte die Europäische Union (EU) ihre Rohstoffsouveränität entschlossener stärken, ohne sich bei Fragen der Nachhaltigkeit und regelbasierter Kooperation von Trump in die Defensive drängen zu lassen.
Die Europäische Kommission erwägt seit 2024, die Zuständigkeiten und Aktivitäten von Europol auszubauen. Das Personal der Agentur soll dabei verdoppelt und ihr Mandat um drei Themen erweitert werden – Sabotage, Desinformation und hybride Bedrohungen. Angepeilt werden eine noch zu definierende Umgestaltung von Europol in eine »schlagkräftige« Polizeibehörde und eine stärkere Kontrolle über die Agentur. Diese Vorhaben, die auf politischen wie bürokratischen Überlegungen beruhen, kamen ohne vorherige Konsultation der EU-Mitgliedstaaten und technische Abschätzung zustande. 2026 will die Kommission den Mitgliedstaaten einen Vorschlag für die Mandatsänderung vorlegen. Der Schwerpunkt einer Weiterentwicklung von Europol sollte jedoch nicht unbedingt auf einem neuen Mandat liegen, sondern sich vorrangig nach dem operativen Bedarf richten, den die nationalen Strafverfolgungsbehörden bei der Bekämpfung von Drogenhandel, Cyberkriminalität und Terrorismus haben. In diesen Kernbereichen sind Personalaufstockung und Innovation erforderlich, jedoch nicht zwingend durch eine Mandatsreform. Generell bedarf es bei der EU einer langfristigen Strategie für die künftige Architektur der inneren Sicherheit, an der sich eine Ausgestaltung von Europol orientieren sollte.
United Nations (UN) peacekeeping missions are under political and financial pressure. In his letter dated 10 October 2025, UN Secretary-General António Guterres called on nine missions to prepare contingency plans for spending cuts of up to 25 per cent. The peacekeeping mission in Cyprus (UNFICYP), established in 1964, shows why Europe has a fundamental interest in the UN remaining engaged.
The conflict between the Republic of Cyprus in the Greek-speaking south and the Turkish Republic of Northern Cyprus, the Turkish-speaking region recognised only by Ankara, has been largely frozen since the de facto division of the island. This certainly has also been due to UNFICYP’s presence. Since the 1974 ceasefire, the mission has controlled the “Green Line”, a 180-kilometre strip separating the two parts that is intended to prevent direct confrontation.
Nevertheless, the mission continues to record numerous military and civilian violations in and along the buffer zone By doing so, it still prevents “those sparks from bursting into flames”, as Colin Stewart, head of UNFICYP until August 2025, put it. To this day, there still is no direct military contact mechanism between the parties. In fact, the threat perception has increased again on both sides recently.
New impetus for peace effortsFor this reason alone, the European Union and its member states cannot be interested in any further reduction or even a potential withdrawal of the mission. The political process is just beginning to tentatively gain momentum. María Angela Holguín Cuéllar was reappointed as the Secretary-General’s Personal Envoy in May 2025 and is tasked with exploring possibilities for a new round of formal negotiations and breaking the deadlock.
This is a difficult undertaking. While the UN Security Council continues to pursue a federal solution, Northern Cyprus and Turkey have been promoting a two-state solution for years. However, the election of Turkish Cypriot President Tufan Erhürman in October has raised hopes that the door could open for new negotiations under UN auspices. The first trilateral meeting between him, the President of the Republic of Cyprus, and Holguín has just taken place. But a rapprochement is likely to take time. Confidence-building measures and the safeguarding of peace by the UN therefore remain essential.
The essential role of the UNAs the Republic of Cyprus is a member of the EU, the Union itself can hardly act as an impartial mediator. It therefore primarily supports the UN-led political process. The EU’s options in the security domain are also constrained. A separate EU mission – as is currently being considered for Lebanon following the withdrawal of UNIFIL – would be unrealistic, if only because of the tense relationship between Greece and Turkey, both of which, alongside the United Kingdom, are the guarantor powers for Cyprus.
Therefore, the stabilising function of the UN mission remains essential for the foreseeable future. It also creates the framework for practical rapprochement, for example through the projects of the Technical Committees. Under joint Greek Cypriot and Turkish Cypriot leadership and facilitated by the UN, these initiatives promote understanding between the two communities, and the EU provides a large portion of the funding.
UNFICYP is in a better financial position than many larger UN missions, as Greece and the Republic of Cyprus cover about half of the budget. However, staffing and operational cuts will be necessary. At the same time, the raison d'être of a mission that has been running for decades is repeatedly being called into question. At the end of January 2026, the mandate is up for renewal again. Despite all the criticisms from the Turkish government and former leaders in Northern Cyprus, the UN Security Council's position has remained unchanged so far.
In order to break the deadlock in negotiations, there is a need for more economic engagement from the European side to improve the situation in the north. In the short term, however, EU member states should make it clear that UNFICYP – and UN peacekeeping as a whole – is indispensable.
Weltraumfähigkeiten gehören zu jedem modernen Verteidigungsarsenal. Doch die militärischen Weltraumfähigkeiten in Europa bestehen oft nur ansatzweise, und die Abhängigkeit von den USA ist groß. Europa muss eigene Fähigkeiten aufbauen, um Abhängigkeiten zu reduzieren, seine Handlungsfähigkeit zu vergrößern und so europäische Autonomie zu schaffen. Um den Aufbau eigener Weltraumfähigkeiten effizient zu gestalten, sollte ermittelt werden, welche Abhängigkeiten von den USA besonders schwerwiegend sind und welche Hürden einem europäischen Aufbau entgegenstehen. Den Fähigkeiten Weltraumlageerfassung, militärische Aufklärung, Navigationsresilienz und Raketenfrühwarnung sollte Priorität eingeräumt werden.
The relationship between Japan and China is of far-reaching importance for peace and stability in the Indo-Pacific, as the two countries are the world’s fourth- and second-largest economies, respectively. Over the past 15 years, bilateral tensions have deepened markedly, even as the two countries have maintained close economic ties. During the one-year tenure of Japanese Prime Minister Ishiba Shigeru (October 2024–October 2025), however, there were signs of a modest thaw in relations. In November 2024, Chinese President Xi Jinping described the relationship as being “in a critical phase of improvement and development”. His statement was followed by a series of diplomatic exchanges and Beijing even agreed to lift import restrictions on Japanese fishery products and beef. Yet, the thaw remained limited. Beijing has reverted to a confrontational posture following remarks on Taiwan by Japan’s new Prime Minister Takaichi Sanae in early November. The relationship remains fragile.
Die Arktis und der arktisch-nordatlantische Raum gewinnen aufgrund der besseren Zugänglichkeit arktischer Seewege und Ressourcen an geopolitischer Relevanz. Deutschland sollte sich in diesem Raum stärker politisch, militärisch und wirtschaftlich einbringen. Erforderlich für eine erfolgreiche deutsche Arktispolitik sind eine engere Zusammenarbeit mit Arktisstaaten und Partnern in der EU und der Nato, eine stärkere sicherheitspolitische Einbindung Deutschlands und eine bessere Verzahnung von zivilen und militärischen Kapazitäten. Der arktisch-nordatlantische Raum ist als Einheit zu begreifen und im Kontext der Sicherheit Europas zu betrachten. Für Deutschland folgt daraus, dass es sich aktiv an der Stabilisierung dieses Raums beteiligen und zur Bewahrung der fragilen Balance in der Arktis beitragen sollte. Eine deutsche Arktisstrategie sollte Prinzipien wie eine regelbasierte Ordnung und Multilateralismus nicht nur bekräftigen, sondern sie auch mit klar definierten politischen, wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Instrumenten zu schützen versuchen. Langfristig sollte eine deutsche Arktisstrategie über die Leitlinien von 2024 hinausgehen und konkrete Schritte zur Wahrung deutscher Interessen in der Region festlegen. Deutschland muss eine Strategie entwickeln, die klare Prioritäten setzt, politische und sicherheitspolitische Maßnahmen definiert, Ressourcen mobilisiert und insgesamt Handlungsfähigkeit generiert und ausstrahlt. Deutschland sollte seine neue Arktispolitik konsequenter in eine europäische Gesamtpolitik einbinden. Durch enge Abstimmung mit der EU‑Außen- und Sicherheitspolitik und eine aktive Mitgestaltung der EU‑Arktisstrategie kann Deutschland seine Interessen wirksamer vertreten und zugleich zur Handlungsfähigkeit Europas in der Region beitragen.
The European security order is dysfunctional and particularly affected by the crisis of multilateralism. The Organisation for Security and Co-operation in Europe (OSCE), founded as a forum for promoting co-operative security and standards-based co-operation, today is an expression of the weakness of traditional multilateral institutions. The reporting system in the politico-military dimension of the OSCE is a seismograph for the change in norms and dynamics among participating States. However, it also shows that despite the changes at the political-strategic level and the politicization of the official agenda, the implementation of agreements at the technical-military level of the OSCE continues quite smoothly. This presents opportunities but also risks that the 57 participating States should be aware of.